Tür auf, Wodka
Von Christian Lailach
1968, März. Unruhen in Warschau. Dammas’ jüdische Vorfahren fliehen, stranden in Dänemark. Zurück lassen sie alles, unter anderem auch eine alte Anrichte. Dammas selbst, erst weit später geboren, macht sich knapp 40 Jahre später auf die Suche nach dem wuchtigen Ungetüm. Schwer soll es sein, und kaum zu transportieren.
Ein sehr spezieller, zugleich nicht neuer Weg zur Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte, wenngleich Dammas seiner das nötige Quäntchen an Allgemeinheit schenkt. Er, des Polnischen nur brüchig mächtig, klingelt an Türen, trinkt mit denen, die öffnen, Wodka »the polish way« und läßt sich zurückweisen, kommt wieder und beruhigt seine Mutter, die mehr als nur zwiespältig zu der Aktion zu stehen scheint, am Telefon.
Hier gleich die große Antisemitenkeule zu schwingen, das wiederum sehen wir zwiespältig. Zwar begegnen wir mit Dammas Menschen, die das einst Geschehene gern verleugnen, die die Tür zuschlagen. Doch fehlt ein wenig die Vorwurfsebene, die der persönlichen dann doch weichen muß. Ein Holzschrank voller Erinnerungen und Geschichten – danach sucht Dammas, von politischen und gesellschaftlichen Fragen ist da nicht viel zu spüren, auch wenn diese Dimension im Nachhinein Kredens genau die gewisse Zeitlosigkeit verleiht.
2012-04-03 15:36