Graue Töne
Von Christian Lailach
Vier Kontinente, vier Seelen. Rastlos, ohne Ende, ohne Unterbrechung. Sie leben ein Leben, das zwar Ruhe kennt, aber keine Müdigkeit. Kein Gähnen, keine zufallenden Augen, kein »Ende des Tages« in Sicht.
Regungslos folgen wir Fedir, Mila, Lin Yao und Jérémie durch ihre Nacht. Dunkle Leere in der Ukraine, gespenstische Ruhe in Arizona, hektisches Treiben in Shanghai, sandige Luft in Ouagadougou – Goodnight Nobody transportiert Zustände auf die Leinwand. Unbehagen. Langeweile. Einsamkeit. Alles macht sich breit. Müdigkeit? Auch. Sekundenschlaf. Doch wir halten uns wach. Diese Nacht zu durchstehen – auch wenn sie nur eineinhalb Stunden dauert – ist nicht leicht. Doch schärft sie trotz aller Entspannung, die sich unter die uns in solcher Intensität fremden Gefühle mischt, unsere Sinne. Wir spüren die nur allmählich abnehmende Hitze, die Sehnsucht nach Ruhe, die nie enden wollende Monotonie, das Unvermögen, einschlafen zu können.
Danach? Draußen ist’s dunkel, aber wir sind plötzlich wach. Hellwach. Doch sie kommt bestimmt, die Müdigkeit. Wie jeden Tag.
2011-07-20 13:38