Enter the Cinema
Von Nikolaj Nikitin
Filme sollen Kontroversen lostreten und zum Diskutieren anregen – keinesfalls allen gefallen, denn dann stimmt irgendwas nicht. Gerade jene Werke und vor allem jene Filmemacher, die heiß diskutiert wurden und werden, von den einen verehrt und geliebt, von den anderen als Antichrist verdammt, sind diejenigen, die Kinogeschichte schreiben und sich unwiderruflich in unser kinematographisches Gedächtnis einbrennen. Seit
Irréversible gehört Noé mit Sicherheit zu den streitbarsten Vertretern des zeitgenössischen Kinos.
Die unfertige, sicherlich noch nicht finale Schnittfassung, die in Cannes lief (sie ist tatsächlich mit über zweieinhalb Stunden etwas zu lang), hat wieder die Gemüter erregt. Und ja, es stimmt, er verlangt visuell und inhaltlich dem Betrachterer einiges ab und nimmt ihn mit auf einen Albtraum-Drogen-Gewalt-Sex-Trip eines ungesunden Geistes in einem toten Körper. Dieser entwickelt einen derart abstoßenden, aber gleichzeitig faszinierenden Sog, dem sich der Zuschauer kaum entziehen kann und froh ist, wenn er vorbei ist – wobei das Ende als hoffnungsvoller Neuanfang für den Dead Man Walking gelesen werden kann. Noé betritt mit
Enter the Void ein äußerst spannendes Kinoterrain, und es lohnt sich allemal, ihn dabei zu begleiten.
2009-08-20 12:09