Tote Seelen
Von Nikolaj Nikitin
Über Schauspielerpreise bei A-Festivals läßt sich oft streiten (sind es »nur« Trostpflaster, weil der Film »Runner Up« für den Hauptpreis war und die Jury wollte ihn so doch noch bedenken usw.), doch im Falle der Auszeichnung von Paul Giamatti als bester Darsteller beim diesjährigen Filmfestival in Karlovy Vary für seine Leistung in Cold Souls dürften sich eigentlich alle einig sein, daß diese mehr als verdient war. Denn Giamatti spielt nicht nur herausragend und überzeugend, er spielt vor allem sich selbst – zwar nicht von seiner schönsten Seite, sondern von jener, die wir als Kinozuschauer seit Jahren an ihm lieben – die des sympathischen Sonderlings, als »Mann ohne Seele«. Es ist höchst amüsant und regt zum philosophischen Nachdenken über Themen wie Identität und kulturelle Zugehörigkeit an (Giamattis Seele landet in Rußland), wenn wir sehen, wie Giamatti als frustrierter Schauspieler bereit ist, sich seiner Seele zu entledigen, um sein Leben leichter zu genießen. Natürlich ein Trugschluß, daß es ohne Seele besser geht – vor allem mit der Schauspielerei. Cold Souls ist ein US-Debüt, das erfrischend originell und lakonisch, dabei wenig schablonenhaft, vor allem nicht studiokonform, daherkommt und dem umso mehr Erfolg in der Auswertung zu wünschen ist.
2009-10-21 10:39