Dogtooth

Kynodontas. GR 2009. R,B: Giorgos Lanthimos. B: Efthymis Filippou. K: Thimios Bakatakis. S: Yorgos Mavropsaridis. P: Boo. D: Christos Stergioglou, Michelle Valley, Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni, Hristos Passalis, Anna Kalaitzidou.
94 Min.

Böses Meisterwerk

Von Oliver Baumgarten Es war einmal ein Ehepaar, das seine drei Kinder von Geburt an zu hundert Prozent von der Umwelt abschottet. Wie auf einem einsamen Planeten wachsen die Drei in einer Landvilla auf, umgeben von hohen, blickdichten Zäunen. Immer neue abstruse Geschichten erfinden die Eltern, um äußere Einflüsse in ihr Lügengerüst einzubauen und sie damit befriedigend zu erklären. Der aufgeschnappte Begriff »Zombie« etwa wird erklärt, er bezeichne eine Sorte gelber Blümchen, und eine Katze wird zum blutrünstigen Monster interpretiert, ob dessen es zuhöchst gefährlich sei, das Grundstück zu verlassen. Zum Beleg dieser verdrehten Geschichten schmiert sich der Vater schonmal mit Blut ein, zerreißt Hemd und Hose und markiert einen brutalen Katzenüberfall. Mit einer sehr eigenen, extrem konsequenten und wunderbar klaren Bildsprache erzählt Lanthimos humorvoll zwar, doch mit vollem Ernst dieses wahnwitzige Vorhaben der völligen Isolation des Nachwuchses. Dank plötzlicher, äußerst herber Gewaltausbrüche, recht expliziter Sexdarstellungen sowie zahlloser filmischer und kultureller Anspielungen entwickelt sich Dogtooth zu einem eigenwilligen, mal surrealistisch, mal expressionistisch wirkenden, vielschichtigen und intelligenten kleinen bösen Meisterwerk. 2009-11-03 13:29

Info

gesehen auf dem Filmfest München 2009

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.
© 2010, Schnitt Online
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