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Mister Lonely

USA 2007. R,B: Harmony Korine. B: Avi Korine. K: Marcel Zyskind. S: Valdís Óskarsdóttir, Paul Zucker. M: Jason Spaceman, The Sun City Girls. P: Fuzzy Bunny Films, RPC, arte. D: Diego Luna, Samantha Morton, Denis Lavant, James Fox, Werner Herzog u.a.
112 Min.

Wilde Kreaturen

Von Daniel Bickermann Seit sich Harmony Korine als Regisseur von Gummo und Julien Donkey-Boy von seinem Mentor Larry Clark absetzt, blüht er als groteskes Blümchen neben der Indie-Mauer vor sich hin. Sein neuer Film ist eine entsprechend abwegige Kitsch-Dramödie um einen verunsicherten jungen Amerikaner, der sich in Paris als Michael-Jackson-Doppelgänger durchschlägt, bevor er den Himmel aller Promi-Nachahmer entdeckt: Eine kleine Kommune in Schottland, wo Chaplin, Monroe, der Papst und Lincoln zusammen Schweine hüten. Doch während sich der Hauptplot entwickelt wie ein Lars von Trier-Film auf Stechapfel und zahlreiche Kultdarsteller wie Denis Lavant oder Samantha Morton sich die durchaus dramatische Ehre geben, zappt Korine immer wieder zu einer absurden Episode im afrikanischen Busch, wo eine Missionarsnonne (unter der strikten Supervision ihres Priesters Werner Herzog) beim Sturz aus einem Flugzeug entdeckt, daß sie dank Gottesbeistand fliegen kann. Hat nichts mit der Haupthandlung zu tun? Korine interessiert’s nicht. Er hat eine irrwitzige, wagemutige, warmherzige, wilde Fabel über menschliche Obsessionen und Bedürfnisse auf die Leinwand gezaubert, die von Michael Jackson auf der GoKart-Bahn bis Abe Lincoln im Schweinestall kein Auge trocken läßt. 2009-01-14 11:45

Info

gesehen auf der Cologne Conference 2008

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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