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Lake Tahoe

MEX 2008. R,B: Fernando Eimbcke. B: Paula Markovitch. K: Alexis Zabe. S: Mariana Rodríguez. P: Cine Pantera, Fidecine, IMCINE. D: Diego Cataño u.a.
85 Min.

Innenblicke

Von Tamar Noort Wenn ich die Augen schließe, wage ich einen Blick nach innen. Ich klinke mich kurz aus, drehe dem Augenblick den Rücken zu und bleibe für eine Sekunde ganz bei mir. Die Welt um mich herum läuft weiter, aber meine eigene Zeit hält an, nur für einen Moment. Regisseur Fernando Eimbcke führt uns sanft an diese Haltung heran, indem er seine Erzählung in Lake Tahoe immer wieder unterbricht. Die Leinwand wird schwarz, aber wir hören, was passiert. Eimbcke erzählt uns von einem Tag im Leben eines jungen Mannes, der gerade seinen Vater verloren hat und der bei einer Odyssee durch sein verschlafenes Dorf die erstaunlichsten Gestalten trifft. So lustig diese Begegnungen sind, über allem liegt ein Hauch von Schwermut. Immer wieder kehrt der Protagonist zu sich selbst zurück, hält einen Moment inne, doch der Verlust des Vaters hat nur dunkle Leere hinterlassen – und wir schließen mit ihm die Augen, die Leinwand wird schwarz. Wir werden ständig aus dem Rhythmus des Films geworfen, er entgleitet uns – und so bietet der Film wohl die eindringlichste Metapher für das, was mit uns passiert, wenn ein geliebter Mensch stirbt: Die Welt gerät aus dem Takt. Völlig zurecht hat die FIPRESCI diesen klugen, herzwarmen, tragischen und komischen Film mit ihrem Preis gewürdigt. 2008-04-07 00:00

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gesehen im Wettbewerb der Berlinale

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.
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