Mord aus Langeweile
Von Marcus Kirzynowski
Niels Laupert schildert in seinem Debütfilm ein unfaßbares Verbrechen, das sich 1996 in Polen tatsächlich so ereignet hat. Er verlegt die Handlung in ein Leipziger Plattenbauviertel, in dem Adam, Tommek und ihre Kumpels abhängen wie jeden Tag, weil es für sie nichts anderes zu tun gibt. Adam ist in Sarah verliebt, kann ihr das aber nicht zeigen. Stattdessen begibt er sich mit dem gewalttätigen Tommek auf sinnlose Zerstörungsstreifzüge. Aus der Langeweile heraus beschließen die beiden, den Nächstbesten umzubringen, der ihnen nachts über den Weg läuft.
Mit großer visueller Kraft folgt der Regisseur seinen jugendlichen Protagonisten durch eine unwirkliche Betonwüste, die wirkt wie eine Mondlandschaft, nicht dafür geschaffen, daß dort Menschen leben. Er liefert bewußt keine Erklärung für die Tat. Als Zuschauer erlebt man die Langeweile der Figuren hautnah mit, ohne daß der Film selbst jemals langweilig würde. Hervorragende Jungschauspieler, allen voran Ludwig Trepte als Adam, verkörpern glaubhaft die innere Zerrissenheit der Charaktere: Ein böser Mensch ist dieser Adam nicht. Aber zum ersten Mal in seinem Leben etwas fühlen kann er erst, nachdem er einen wehrlosen Menschen abgestochen hat.