Schwarzblende
Von Dominik Bühler
Eine nächtliche Straße fließt dahin. In kurzen Abständen rauschen Lastwagen beladen mit wuchtigen Baumstämmen vorbei – bis eine Straßensperre die Fahrt stoppt. Im Auto sitzt Ebbo Velten mit seiner Frau und seiner Tochter. Polizisten leuchten mit Taschenlampen. Sie sprechen Französisch, man ist in Kamerun. Ulrich Köhler, der mit
Schlafkrankheit seinen dritten Spielfilm als Regisseur und Autor vorlegt, versteht es, seine Figuren effizient einzuführen. Wenige Worte, Blicke und Körperhaltungen genügen. Ebbo ist Arzt und Entwicklungshelfer, routiniert im Umgang mit den Polizisten und
……
Wetzlar ist auch schön
Von Jochen Werner
Es ist nicht einmal so, daß Ebbo Velten nicht zu seiner Familie nach Deutschland zurückkehren möchte. Eher scheint die Entscheidung, um die Ulrich Köhler seinen dritten Film
Schlafkrankheit aufbaut, im Grunde gar keine zu sein: Da gibt es, am Ende der ersten Hälfte, einen Moment, in dem der immer brüchigere Protagonist seiner Frau Vera am Telefon ein vielleicht letztes Mal von der Schönheit Afrikas vorschwärmt, bis er unterbrochen wird und notgedrungen bestätigt: »Klar, Wetzlar ist auch schön.« Bald folgt eine lange Schwarzblende, und
Schlafkrankheit setzt noch einmal neu an. Nun
……
Entferntes Verstehen
Von Alexander Scholz
Den Bruch mit der Konvention zum Gesetz zu erheben, ist paradox konservativ. Dergestalt verhält es sich mit der Narration in
Schlafkrankheit ähnlich wie mit dem Protagonisten. Beide können nicht mehr hinter ihre Andersartigkeit zurück. Was bei Dr. Ebbo Velten jedoch dessen traurigen Rang eines gebrochenen Charakters ausmacht, versandet erzählerisch zur ästhetischen Schutzbehauptung. Unterbrochen von einer leidlich bemühten Ellipse werden in additiver Reihung familiäre, ethnische und politische Konflikte verschiedenen Ausmaßes in alltäglich anmutenden Situationen konnotiert, aber nicht
……