Am Pranger
Von Kyra Scheurer
»Antlitze des 20. Jahrhunderts« heißt ein Bildband von August Sander, und natürlich sind die Aufnahmen schwarzweiß. Ähnlich historisch anmutende Bildkompositionen finden 2009 ihren Weg auf die Leinwand – das kristalline Schwarzweiß aber ist unnatürlich kontrastreich, digital nachbearbeitet und gewollt kühl, jede Sinnlichkeit vermeidend und doch hypnotisch. Immer wieder öffnen diese Bilder von surrealer Tiefenschärfe den Blick aus dunklen Innenräumen auf weite Landschaften. Kunstvoll komponierte Tableaux bebildern den Wechsel der Jahreszeiten, endloser Horizont suggeriert eine Weite,
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Das Gleichgewicht der Grausamkeit
Von Martin Thomson
Michael Haneke setzt immer dort an, wo es weit mehr weh tut als sich mit einem Bild darstellen ließe. Dort, wo etwas spürbar wird, aber nie zur vollständigen Sichtbarkeit gelangt. Gewalt war bei ihm noch nie auschließlich der Akt ihrer physischen Ausführung. Die erschütternde Wirkung seiner Filme ergibt sich weniger aus dem Sichtbaren, als aus dem, was in der Darstellung aus dem Unsichtbaren mit- und nachschwingt. Oder eben aus dem, was sich dem Zuschauer als düstere Vorahnung aufdrängt.
Ein zerbrochenes Ei. Ein harmloser Kinderstreich. Ein weißes Band. Der Ort, wo Gewalt herkommt
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Die dunkle Seite
Von Bettina Schuler
Michael Haneke ist bekannt für die schonungslose Brutalität seiner Filme, die den Zuschauer nicht selten dazu verführt, den Blick abzuwenden. Und das, obwohl es Haneke meist vermeidet, sich der üblichen Zurschaustellung von Gewalt zu bedienen, sondern die Rohheit aus der Tonspur oder dem Blick auf das Opfer zieht. Eine Auslassung, die beim Zuschauer eine beunruhigende Ungewißheit hervorruft, da es der Grenzenlosigkeit seiner Imagination überlassen bleibt, sich ein Bild von der Brutalität der Tat zu machen. Beunruhigung ist überhaupt ein Grundgefühl, das den Zuschauer beim Betrachten von
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