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Wolke 9

D 2008. R,B: Andreas Dresen. B: Laila Stieler. K: Michael Hammon. S: Jörg Hauschild. P: Peter Rommel Productions. D: Ursula Werner, Horst Rehberg, Horst Westphal, Steffi Kühnert u.a.
98 Min. Senator ab 4.9.08

Sinn & Sinnlichkeit

Von Nikolaj Nikitin Oft wird von großen und kleinen Filmen gesprochen. Auf der einen Seite Hollywood-Blockbuster, europäisches Starkino. Kino soll uns zum Träumen verführen, uns Welten zeigen, die es nicht im realen Leben gibt – halt larger than life, irgendwo da draußen im Universum. Auf der anderen Seite Autorenfilme, Arthouse, mit einer Position, einer Aussage und künstlerischem Gesamtkonzept.

Und dann gibt es immer wieder Filme (leider zu selten), die gehören doch eigentlich in beide Kategorien. Sie bewegen den Zuschauer, packen ihn, erzählen spannende Geschichten, die im Hier und Jetzt spielen, besitzen dabei eine klare Autorenposition, eine Regiehandschrift, die sich vor allem in der perfekten Harmonie aller Departments widerspiegelt.

Wolke 9 ist so ein besonders gelungener Fall. Regisseur und Drehbuchautor (zusammen mit Laila Stieler) Andreas Dresen gelingt es zu bewegen, das Publikum emotional zu binden, uns in eine für viele »fremde« Welt zu entführen. Wir alle kennen das Boy-meets-Girl-Schema, das die meisten Filme reflektieren. Doch oft sind Teens, Twens oder Thirty-Somethings die Protagonisten – hier aber handelt es sich um Rentner. Das erscheint auf den ersten Blick fast wie Sci-Fi, doch die brillante Schauspielerführung Dresens läßt es bitterste Realität werden. Ins Kino gegangen, geweint und gefühlt! Herausragend und konzeptionell durchdacht der Kamerablick von Michael Hammon. Oft fotographiert er durch Türen, baut dadurch Distanz zu den Figuren auf – gerade wenn es um die Beziehung zwischen Inge und ihrem Ehemann geht. Distanz, die dann gebrochen wird, wenn es in neuer Konstellation um Gefühle, Anziehung und Sexualität geht. Groß im Bild, zentral im Kader, nah dran an den sich gegenseitig Begehrenden, an Inge und dem »Neuen« Karl – wir sind als Zuschauer dabei, fühlen mit, können uns gar nicht abwenden. Kino kann so klein und einfach sein und dabei doch so groß und bewegend. 2008-07-07 15:33

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.

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