Shine a Light

USA 2008. R,B: Martin Scorsese. K: Robert Elswit, Ellen Kuras, Andrew Lesnie, Emmanuel Lubezki, Declan Quinn, Robert Richardson, John Toll u.a. S: David Tedeschi. M: The Rolling Stones. P: Concert Productions International.
122 Min. Kinowelt ab 4.4.08

Mythenpflege

Von Oliver Baumgarten Er ist einer der begehrtesten und besten Musiker seiner Zunft, er hat auf vier Miles Davis-Alben gespielt, ist mit Steps Ahead und Gil Evans getourt, hat mit Branford Marsalis, John Scofield und Randy Brecker aufgenommen. Zudem war er Mitglied von Stings legendärer »Jazz Band«, die »The Dream of the Blue Turtles« und »Bring on the Night« eingespielt haben, er intonierte Musik von Peter Gabriel, BB King und Madonna. Seit den 1980ern ist er außerdem fester Bestandteil der Rolling Stones, bei den Studioaufnahmen ebenso wie auf den Tourneen. Kurz: Darryl Jones ist eine absolute Baßautorität in Rock und Jazz. In Shine a Light, Martin Scorseses hochglänzend illustriertem Stones-Konzert, steht Jones hinten rechts auf der Bühne, neben den drei Bläsern, dort, wo die Bühnenbeleuchtung ins Diffuse übergeht. 16 Kameras sind auf die Bühne gerichtet, ein besseres Coverage also als in der Londoner Innenstadt, und doch existieren in 122 Minuten lediglich ein paar Schwenks, in denen Darryl Jones kurz auftaucht. Kann man einen Konzertfilm ernstnehmen, der so mit seinen Protagonisten umgeht?

Natürlich nicht. Scorseses Shine a Light ist ja auch nur deshalb oberflächlich besehen ein Konzertfilm, weil er einen Auftritt der Stones von Anfang bis zum Ende ablichtet (wobei Material aus zwei Abenden zusammengefügt wurde). Die von hochkarätigen Spielfilmmeistern geführten Kameras allerdings dokumentieren nicht bloß das Konzert. Vielmehr bedienen ihre auf die vier Ur-Stones fokussierten Bilder lediglich den auf 42 Jahren Existenz fußenden Mythos der Rolling Stones. Für Fans mag das eine tolle Sache sein, in zweifellos brillant fotographierten Panoramen ihren Stars buchstäblich bei der Arbeit zuzuschauen. Alle anderen jedoch wird die anfangs angedeutete Verweigerungshaltung Scorseses, den dokumentarischen Fokus aufzuziehen und auch mal Blicke abseits der Vier zuzulassen, sehr schnell ermüden. Von den wirklich großartigen ersten zehn Minuten abgesehen, in denen Scorsese sein Ego in sehr lustig inszenierten Momenten offen gegen das der Stones stellt, bleibt Shine a Light am Ende leider nichts weiter als eine, wenn auch aufwendig produzierte, Devotionalie. 2008-03-31 16:40

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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