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Shine a Light

USA 2008. R,B: Martin Scorsese. K: Robert Elswit, Ellen Kuras, Andrew Lesnie, Emmanuel Lubezki, Declan Quinn, Robert Richardson, John Toll u.a. S: David Tedeschi. M: The Rolling Stones. P: Concert Productions International.
122 Min. Kinowelt ab 4.4.08

Let There Be Rock!

Von Bettina Schuler Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Man haßt oder liebt die Stones. Daß es sich jedoch trotz aller Vorbehalte gegenüber diesen nicht altern wollenden Rockopas lohnen kann, einem über zweistündigen Konzertfilm der Rockband beizuwohnen, zeigt Martin Scorseses Shine a Light. Denn für seine neueste Musikdokumentation ist es dem bekennenden Stones-Anhänger Scorsese gelungen, die Crème de la Crème der Kameramänner zu gewinnen. Wie den zweifachen Oscargewinner Robert Richardson, der schon bei Scorseses fulminantem Aviator dabei war, John Toll, der unter anderem die Kameraführung bei Der schmale Grat übernahm, um nur einige zu nennen.

Dank dieses künstlerischen Potentials und unterstützt durch einen wahnsinnigen technischen Aufwand fängt Scorsese in Shine a Light Konzertmomente ein, die dem üblichen Besucher im Gedränge der Massen entgehen und die durch die Entfernung zwischen Kamera und Bühne auch die gängigen Konzertmitschnitte nicht leisten können. Noch nie war man als Zuschauer so nah am Geschehen und konnte dem Pärchen Keith Richards und Ron Wood aus nächster Nähe beim musikalischen Kuscheln zu sehen.

Diese visuelle Nähe verleiht dem Film eine Intimität, die eine unglaublich enge Verbindung zwischen der Band und dem Zuschauer herstellt und dank der die Magie des Livekonzerts selbst in den Kinosaal überspringt. Durch den Rhythmus der Bilder, die sich am Rhythmus der Songs orientieren, hat der Zuschauer das Gefühl, neben den Boxen zu stehen. Und wenn die Kameras einen Blick in das Publikum werfen, ist man überrascht, wie jung die Mädels sind, die ekstatisch zu den Songs mitsingen. Daran haben selbst die über 50jährigen ihre Freude.

Durch alte Interviews, die Scorsese gekonnt an den richtigen Stellen einfließen läßt, unterbricht er den ansonsten recht chronologischen Konzertablauf und beantwortet gleichzeitig einige Fragen, die sich beim Schauen von Shine a Light stellen. Doch wie man mit sechzig noch immer so einen flachen Bauch haben kann wie mit Anfang zwanzig, das wird wohl auch nach diesem Film das Geheimnis von Mick Jagger bleiben. 2008-03-31 16:41

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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