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Jackie Brown

USA 1997. R,B: Quentin Tarantino. K: Guillermo Navarro. S: Sally Menke. P: A Band Apart. D: Pam Grier, Robert Forster, Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Michael Keaton u.a.
154 Min. Scotia ab 16.4.98
Von Dirk Steinkühler Diejenigen, die Reservoir Dogs und Pulp Fiction als albernes Kinderspielchen eines videokranken, durch Fernseh-, Werbe- und Musikeinflüsse geschädigten Hirns empfanden und noch während des reklamereichen Vorprogramms mit sich zaudern, warum sie sich nur zum Besuch eines weiteren Tarantino-Films haben überreden lassen, werden bei Jackie Brown überraschend Glück haben. Sie werden als erste etwas finden, das sie an dem »neuen Tarantino« begeistern wird, und obwohl er geschickt einen »neuen« klassischeren Weg beschreitet, bleibt er doch in vielen Momenten »der Alte«. Jackie Brown ist viel mehr eine Literaturverfilmung als ein Tarantino-Film im bisherigen Sinne. Der Erzählstil ist zeitweise unglaublich langsam. Originelle zeitliche Spielereien weichen langen Dialogpassagen und finden sich doch, dem neuen Tempo angemessen, mit der Geldübergabe in einem Einkaufszentrum in einem, elegant aus drei verschiedenen Perspektiven erzählten, stillen Höhepunkt wieder. Zuhören und genau hinschauen heißt die ausgegebene Devise, die hier noch stärker greift als in den ja auch nicht gerade dialog- und detailarmen Vorgängern. Wie in der Story vermischen sich in den Dialogen lässig Banales, Simples und Alltägliches, sowie Ironisches und Witziges miteinander. Dazu bleiben Auswahl und Einsatz der Musik Herzstück und Motor seiner Filme, und sie tritt aus der »neuen Ruhe« noch effektiver in den Vordergrund, ähnlich wie die Schauspieler eine enorme Präsenz von Einzelfiguren erreichen können.

Es sind vor allem die vielen erzählerischen und inszenatorischen Frechheiten, die Jackie Brown auszeichnen. Der Film ist deshalb auch als Tarantinos Kommentar zu seinem eigenen Werk zu sehen, und dies nicht nur aufgrund des vordergründigen Paradigmenwechsels. Fast alle in den letzten Jahren an ihn gestellten Fragen und an sein Werk angelegten Analysen bleiben erfreulich uninteressant. Sein einziger Kommentar gehört den angeblichen Rambo-Manieren und »lustigen Spielen« mit der Gewalt, der er einen Platz als unerwartete Ausnahme mit noch genreimmanenterem Bezug zuweist. So dreht sich letztlich alles nur um die Frage, wer am Ende der Cleverste ist. Es sei hier verraten: Tarantino, denn überraschen wird er alle, und genau das haben wir schon immer an ihm gemocht! 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
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