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Jackie Brown

USA 1997. R,B: Quentin Tarantino. K: Guillermo Navarro. S: Sally Menke. P: A Band Apart. D: Pam Grier, Robert Forster, Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Michael Keaton u.a.
154 Min. Scotia ab 16.4.98
Von Caroline M. Buck Quentin Tarantino verfilmt Elmore Leonard. Am Anfang eilt eine Stewardeß durch die Flure eines Flughafens. Sie ist – und hier wird Tarantino der Vorlage untreu – farbig, Mitte Vierzig, und nicht nur Vielflieger können an ihrer Uniform erkennen, daß sie nicht zu einer der renommierten Fluglinien gehört. Eine mäßig erfolgreiche Frau, sichtlich verspätet, aber durchaus nicht ziellos. Bis sie von Special Agent Nicolet (Michael Keaton) festgehalten wird. Die Durchsuchung ihrer Bordtasche fördert illegal eingeführtes Bargeld und eine Portion Rauschgift zu Tage. Für wen sie Kurierdienste leistet, weiß der Ermittler bereits, nun soll Jackie Brown bei der Überführung des Waffenhändlers Robbie Ordell (Samuel L. Jackson) helfen. Zunächst landet sie im Gefängnis, bis Ordell sie durch den professionellen Kautionsvermittler Max Cherry (Robert Forster) auslösen läßt. Jackie Brown weiß, was das heißt – Ordell kauft Mitwisser frei, um sie verschwinden zu lassen. Max Cherry ist die erste Person, der sie nach der Freilassung gegenübersteht, er ist offensichtlich von ihr beeindruckt, und er hat eine Waffe im Handschuhfach. Aus dieser Kombination entsteht ein Plan. Erst geht es nur ums Überleben, bald um viel Geld. Während Ordell vor seiner kiffenden Freundin (Bridget Fonda) und einem gefängnisgeschädigten Ex-Komplizen (Robert de Niro) Reden schwingt, geht Jackie Brown auf den Deal ein. Nicht nur das: Sie verrät die Existenz eines Vermögens auf einem mexikanischen Konto. Jackie läßt Ordell glauben, sie sei gegen die Ermittler auf seiner Seite. Und macht sich mit Max Cherry daran, schlauer als alle zu sein, während hinter Ordells Rücken sein Freund und seine Freundin dasselbe versuchen.

Was einmal »Rum Punch« hieß, ist in Tarantinos Version ganz auf die unglaublich effiziente Pam Grier zugeschnitten. In Reverenz vor ihrer Kultrolle als Foxy Brown in den 70ern machte Tarantino aus der weißen Jackie Burke seine Jackie Brown. Weil er L.A. besser kennt als Miami, wurde der Schauplatz der Handlung an die Westküste verlegt. Und weil die Fans unverblümte Gewaltdarstellung von ihm erwarten, hat es bei Tarantino noch nie so wenig sichtbares Blutvergießen gegeben wie hier. Gewaltsames Sterben kommt vor, wird aber gar nicht oder aus extremen Totalen gezeigt, oder über ein paar lakonische Worte und Blutspritzer auf der Windschutzscheibe. Warum er erstmals eine fremde Vorlage für einen Film adaptierte, erklärt sich mit Tarantinos lebenslanger Vorliebe für Leonards Romane. Besonders für »Rum Punch« hatte er sich schon interessiert, bevor der Roman gedruckt vorlag, aber dann kam Pulp Fiction dazwischen. Tarantino sagt über Jackie Brown, daß er zur Abwechslung mal einen »ruhigen« Film habe machen wollen, und Pam Grier wollte er auch schon für Pulp Fiction haben. Das Ergebnis wird in Tarantinos Gesamtwerk vielleicht nur ein Übergangsfilm. Casting und Schauspielerführung kann man davon unbenommen getrost brillant nennen. Am Ende fragt sich bloß, wie eine so clevere Person wie diese Jackie Brown je auf dem absteigenden Ast landen konnte? 1970-01-01 01:00

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