Celebrity

USA 1998. R,B: Woody Allen. K: Sven Nykvist. S: Susan E. Morse. D: Kenneth Branagh, Judy Davis, Joe Mantegna, Winona Ryder, Leonardo diCaprio, Charlize Theron u.a.
113 Min. Arthaus ab 8.4.99
Von Thilo Wydra Der 27. Allen. Zunächst reibe ich mir euphorisch die Hände und freue mich: Zwei Stunden lang New Yorker Neurosen at their best und endlich wieder in nostalgischem Schwarzweiß, von Bergman-Veteran Sven Nykvist fotographiert. Und die Besetzung erst, allererste Sahne, von der Ryder über die Davis bis hin zu Leo, unserem (doch nicht?) erfrorenen Helden aus Titanic. Und Kenneth »Shakespeare« Branagh als Alter ego unseres Woody, als erfolgloser Journalist und verkappter Buchautor, nennen wir ihn einfach Lee Simon. So weit, so gut. Der Vorhang hebt sich, der Woody-Fan bekommt vor Aufregung feuchte Hände, und wir steigen sofort ein ins Fegefeuer der Eitelkeiten, in Lees Mikrokosmos zwischen gelebter Journaille und erträumtem Buchklappentext. Aber wieso meinen wir, zwar Kenneth Branagh zu erkennen, doch irgendwie Woody Allen auszumachen? Diese Mimik, die Geste erst, dieses nervös-neurotische Herumgezappel, dieser veräußerlichte Minderwertigkeitskomplex, dieses schnelle Auf-den-anderen-einreden-damit-er-erst-gar-nicht-dazu-kommt-mich-Woody-d.h.-Lee-fertigzumachen. Und dann die schreckliche Erkenntnis: Da versucht einer, nicht nur Alter ego, sondern Woody himself zu sein, ihn von Kopf bis Fuß zu verkörpern, indem er ihn komplett verinnerlicht, verschlungen hat. No, thanks, – we want the one and only, our Woody! Dem schlaksigen selbstzelebrierten Shakespeare-Adapten steht dieses Gezappel ohnehin nicht, ich glaub's ihm einfach nicht. Fehlt nur noch die schwarzumrandete Brille, die er sich hätte aufsetzen müssen, um sie beim ersehnten Rendezvous mit dem gertenschlanken Supermodel (Charlize Theron) vertrottelt auf dem Nasenrücken hin- und herzuschieben. Ein Segen nur, daß der Rest von Woodys Truppe gut ist, daß Nykvist uns die erhofften Schwarzweiß-Bilder aus dem New York der Endneunziger liefert und Woody bereits an seinem 28. Opus herumdoktert. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.

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