Von Alexandra Seitz
Woody Allen erweist Federico Fellini seine Referenz. Celebrity ist eine in der Gegenwart New Yorks angesiedelte Version des süßen römischen Lebens, das Fellini 1960 beschrieb. Wie Fellini drehte Allen sein La Dolce Vita in Schwarzweiß und verließ sogar die jüdisch geprägte Upper West Side Manhattans, um seine Geschichte im römisch-katholischen Milieu spielen zu lassen. Für Ruhe in den Bildern, fließende Bewegungen und ausdrucksvolle Einfachheit sorgt Sven Nykvist, jahrelang der Kameramann Ingmar Bergmans, dem wiederum Allen 1978 mit Interiors seinen Respekt bezeugte.
Kenneth Branagh spielt den Journalisten Lee Simon, den Allen durch die gesellschaftlichen Untiefen jagt wie dereinst Fellini Marcello Mastroianni. Branagh aber ist weniger Mastroianni-Kopie als vielmehr, im wahrsten Sinne des Wortes, Allens Stimme. Womit die Fellini-Hommage mit Allens gesellschaftlicher Situation verschmilzt. Lee nun, der mit zwei verrissenen Romanen und einem Drehbuch, das niemanden interessiert, aufwarten kann, hält es für das Beste, auf dem Weg zum angestrebten Ruhm zunächst einmal seine Frau fallen zu lassen. Robin, gespielt von Judy Davis, ist eine katholisch erzogene Englischlehrerin, die ihrem Glück nicht traut, als sie bald darauf von Tony Gardella umworben wird, dargestellt von Joe Mantegna, der schon 1990 in Allens Alice an der Seite von Mia Farrow, als eins der seltenen Exemplare des absoluten Supermanns überzeugen konnte.
Die Wege des Ex-Ehepaares, die Allen in Celebrity verfolgt, driften alsbald in verschiedene Richtungen entlang der Vertikale: Robin wird am Ende wieder verheiratet und berühmt sein, sie wird eine eigene Fernsehshow und, was am wichtigsten ist, guten »down and dirty«-Sex haben. Lees Weg dagegen führt schnurgerade abwärts, es treibt ihn durch die Welt von Film und Fernsehen, Literatur und Mode, und doch findet er nirgendwo Halt. Ein glamouröser Star gibt ihm zwar noch einen Blow-job, der angestrebte Sex mit einem polymorph-perversen Supermodel endet aber kläglich in einem Autounfall. Seine Beziehung zu einer angesehenen Lektorin läßt er zugunsten einer unsteten Schauspielerin sausen, und zum Schluß steht er allein da. Wie zum Hohn schreibt ein Flugzeug das Wort »Help« in den Himmel.
1999-11-30 00:00