Geliebte Aphrodite

Mighty Aphrodite. USA 1995. R,B: Woody Allen. K: Carlo DiPalma. S: Susan E. Morse. D: Woody Allen, F. Murray Abraham, Mira Sorvino, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Olympia Dukakis, Jack Warden u.a.
95 Min. Kinowelt ab 15.8.96
Von Daniel Hermsdorf Soll er Groucho heißen? Oder Thelonious? Oder Sugar Ray? Sportreporter Lenny Weinrib klopft all seine Ikonen auf ihre Tauglichkeit als Namensgeber ab, und »Max« wird sein Sohn schließlich heißen. Bald sehen wir das adoptierte Baby als kleinen Mann und die Ehe seiner Eltern als Ruine.

Von Anfang an springt die Erzählung in die Überreste eines Amphitheaters über, in dem sich ein Sammelsurium antiker griechischer Götter und Tragöden formiert hat. Kassandra, Iokaste und Konsorten taxieren das Schicksal Lennys, wähnen kommendes Unheil und mischen sich zunehmend ein. Für Lenny ist die plötzliche Gegenwart eines hellenisch-klassischen Choristen kein Grund zum Aufmerken, und er schlittert zusehends in eine Tragödienparodie.

Max ist ein Wunschkind, und Lenny will aus Neugier nach den leiblichen Eltern stöbern; »a dynamite mother« müßte es sein. Eine verschrobene Variante von Vatermord und Mutterbegattung ist die Konsequenz, denn Max' Vater hat das tragische Schicksal an sich selbst vollstreckt, und seine Mutter (Mira Sorvino) verdient mit Frevel ihre Fleppen.

»You're such a Cassandra«, giftet Amanda ihren Mann Lenny bei Gelegenheit an. In der Tat liegt nichts in diesem New York näher als die Antike. Selbstredend speist man auf der »Akropolis«, und Lennys Broterwerb führt ihn in die modernen Arenen: Boxen, Baseball, Pferderennen. Und falls nötig, erklärt er auch einem Zuhälter die platonische Liebe.

Der Allzweck-Stempel »unverwechselbar« prangt auf Woody Allens Dialogen, doch Geliebte Aphrodite ist mehr als ein Pflichtprogramm. Von einem alten Griechen läßt sich Lenny Weinrib den Griffel reichen, und Woody Allens inszenatorische Finesse ist ausgefeilter denn je. Überlegte Tiefenarrangements mit kommentierenden Hintergründen (wie etwa Boxkämpfe bei haarigen Telefonaten), Hommagen (raffende Zwischenstücke in Stummfilmmanier; Musical-Passagen) und die Sorgfalt in den Einzelheiten (wie z.B. die phallischen Requisiten im Apartment von Max' leiblicher Mutter) adeln Geliebte Aphrodite zur göttlichen Komödie. Ex cinemachina. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #03.

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