Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage

4 luni, 3 saptamini si 2 zile. ROM 2007. R,B: Cristian Mungiu. K: Oleg Mutu.
S: Dana Bunescu. P: Mobra Films, Saga Film. D: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Adi Carauleanu, Vlad Ivanov, Alexandru Potocean u.a.
113 Min. Concorde ab 22.11.07

Keine Insel

Von Dietrich Brüggemann Wenn ein Film kein Film sein will, sondern nüchterner Ausschnitt des wahren Lebens, dann ist das eine durchaus respektable Entscheidung – es kann sich nur am Ende das Problem ergeben, daß der Film kein Film ist. Cristian Mungiu bezieht nicht Stellung, sondern läßt die Dinge in all ihrer Bitterkeit einfach passieren, und die Kamera schaut zu. Die Menschen sind in ausweglosen Situationen, die Heldin hilft ihrer Freundin und tut es doch mit einer seltsam unbewegten Kälte, der Abtreiber ist ein unglaubliches Arschloch, das allerschlimmste, das man stets befürchtet, tritt am Ende nicht ein, und dennoch hängt eine bleischwere Hoffnungslosigkeit in jedem Bild.

Das alles ist schlimm für die Protagonisten. Schlimm für den Film ist, daß er mir als Zuschauer größtenteils egal ist. Die Verweigerung jeglicher Empathie seitens des Machers führt zum Fehlen jeglicher Empathie auf der Zuschauerseite. Und noch etwas Grundlegenderes geht verloren: die Aufmerksamkeit. Kein Film ist eine Insel, jeder richtet sich an irgendein Publikum, aber Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage wirkt besonders in der rätselhaften ersten halben Stunde völlig autistisch. Der Film macht keinerlei Angebot, sich irgendwo emotional einzuklinken, also folgt man allein dem äußeren Gang der Ereignisse, blickt auf die Figuren wie auf eine Versuchsanordnung und schweift irgendwann ab. Am Ende hat man gelernt, daß eine illegale Abtreibung im kommunistischen Rumänien eine grausame Sache war, aber innere Anteilnahme stellt sich nicht ein, sie ließe sich allenfalls durch eine intellektuelle Hilfskonstruktion herstellen, die ungefähr lauten würde: Diese Menschen sind wie Laborratten, auch ich bin ein Mensch, ach du grüne Neune. Das sagt das Hirn, aber das Herz ist irgendwo weit weg. 1999-11-30 00:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #48.

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