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Wir müssen zusammenhalten

Musíme si pomáhat. CZ 2000. R: Jan Hrebejk. B: Petr Jarchovsky. K: Jan Malír. S: Vladimír Barák. M: Ales Brezina. P: Total Helpart, Ceska Televize. D: Boleslav Polívka, Anna Sisková, Jaroslav Dusek u.a.
124 Min. Movienet ab 21.3.02

Wir sitzen alle in einem Boot

Von Jana Cernik Wir sitzen alle in einem Boot – So könnte man Wir müssen zusammenhalten übersetzen. Eine Botschaft, die symbolisch wie eine dunkle, diffuse Wolke über der Komödie um die deutsch-tschechische Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg schwebt. Wer war Opfer und wer Täter? Man ahnt die Absicht: Diesmal will der Regisseur sich das mit der Moral nicht so einfach machen.

Hrebejk und sein Drehbuchautor Petr Jarchovsky brechen die klare Typisierung vom bösen Kollaborateur und guten Patrioten auf. Der Invalide Josef ist ein zweifelnd-menschlicher und zeugungsunfähiger Anti-Held. Seine Bewährungsprobe kommt, als er und seine Frau den Juden David bei sich verstecken. Nun muß er, um sich, seine Frau und David zu schützen, mit den verhaßten Schergen verkehren. Was Josef in den Augen der Nachbarschaft zum Kollaborateur macht.

Eines der wenigen Male, in denen der Film die Ambivalenz des Themas auch visuell stark umzusetzen vermag, ist ganz zu Anfang: David ist aus dem KZ entflohen und wird von einem Nachbarn entdeckt. Als diesem bewußt wird, daß ihn der Jude ins Verderben reißen könnte, läuft er schreiend davon. Die motorisierten deutschen Soldaten hören sein »Jude, Jude ist hier« nicht. So läuft er ihnen nach ins Leere.

Die Kombination von skurriler Komödie und Judenvernichtung ist durchaus spannend. Doch Hrebejk scheitert. Was Benigni gelang, nämlich durch Überzeichnung und Verkehrung ins Absurde eine dichte Atmosphäre zu schaffen, verflacht bei Hrebejk immer wieder. Die Bilder hinken der Story hinterher. Sie sind entweder konventionell-langweilig oder flüchten sich verlegen in verwischte Traumbilder – das ärgert.

Am Ende, der Krieg ist vorbei, haben alle überlebt. Das Glück ist wiederhergestellt – in der Komödie vielleicht ein legitimer Schachzug. Doch die Brüche der Figuren werden aufgegeben zugunsten der Parole »Nur gemeinsam sind wir stark!«. Sie gerät zur beschwörenden Formel, die nachträglich alles Fremde und Trennende verwischt, auf daß niemand die Risse im nationalen Korsett erkenne. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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