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Wir müssen zusammenhalten

Musíme si pomáhat. CZ 2000. R: Jan Hrebejk. B: Petr Jarchovsky. K: Jan Malír. S: Vladimír Barák. M: Ales Brezina. P: Total Helpart, Ceska Televize. D: Boleslav Polívka, Anna Sisková, Jaroslav Dusek u.a.
124 Min. Movienet ab 21.3.02

Nouvelle Prague

Von Oliver Baumgarten Das Leben ist schön – so man denn eines hat. In Krisenzeiten bemüht sich deshalb jeder um vor allem eines: das eigene Überleben. So wird der Opportunismus nicht selten zur ersten menschlichen Eigenschaft. Eine schrecklich würdelose Sache, wie so viele Seiten des Allzumenschlichen. Würdelos und gleichsam voll des komischen Potentials, dessen sich Jan Hrebejk in seinem vortrefflichen Werk ohne Figurenverrat bedient. Daß der Film schließlich mit einer Art ulkigem Krippenspiel endet, mit einer Empfängnis, deren behauptete Entstehung ein biologisches Wunder wäre, daß dieses Kind am Ende all ihr Leben errettet und schließlich Johann Sebastian Bach dazu erklingt, das mythologisiert die Geschichte auf eine herrlich schräge, freche und doch dezente Weise.

Wir müssen zusammenhalten ist ein Film von schnörkelloser Schönheit, weil Hrebejk in seiner Inszenierung auf jeglichen »Hab-Acht«-Gestus verzichtet und sich komplett auf die Künste der Darsteller und seines technischen Stabes verläßt. Jan Malírs Kamerakonzept beispielsweise besticht durch die fantastische Lichtgestaltung und Farbgebung, die sowohl in Handkamera- als auch Stativaufnahmen den Bildgenuß bestimmen. Es ist ein Film der leisen Töne, dessen kinematographische Perfektion sich nicht lauthals aufdrängt, sondern peu à peu erschließt. Wir müssen zusammenhalten ist, in perfekter Übereinstimmung mit seinem Titel, ein stabübergreifender Ensemblefilm, technisch auf hohem Niveau, dramaturgisch höchst effektiv und in einer Mischung aus Komödien- und Dramentechnik ausgesprochen liebevoll gespielt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
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