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Twelve Monkeys

USA 1995. R: Terry Gilliam. B: David Webb Peoples, Janet Peoples. K: Roger Pratt. S: Mick Audsley. M: Paul Buckmaster. D: Bruce Willis, Madeleine Stowe, Brad Pitt, Christopher Plummer u.a.
130 Min. Concorde ab 21.3.96
Von Hasko Baumann Terry Gilliam und Science Fiction? Von Twelve Monkeys haben sich nicht wenige eine Art »Brazil II« erhofft – eine unangenehm typische Erwartungshaltung, die eine objektive Rezeption so gut wie unmöglich macht. Der Name Gilliam soll offenbar für Bilderflut, Satire und schwarzen Humor stehen. Bei Ansicht von Twelve Monkeys werden oben Genannte dann wohl ziemlich verstört reagieren.

Das Drehbuch wurde (nach dem Film La Jetée [1962] von Chris Marker) von Janet und David Peoples entwickelt; bei der Erwähnung des letzteren werden gewisse Leute wohl begeistert »Blade Runner!« brüllen, anstatt seiner besten Arbeiten (Drehbuch Unforgiven, Regiedebüt Salute for the Jugger) zu gedenken. Twelve Monkeys verliert sich aber tatsächlich in ähnlichen Dimensionen prätentiöser Langeweile wie weiland Ridley Scotts Replikantendrama, wobei Gilliam dies keineswegs mit Scottscher visueller Raffinesse zu kompensieren vermag.

Es ist sehr angenehm zu sehen, daß Gilliam das Schicksal seines traurigen Helden Bruce Willis sehr ernst nimmt und dessen unfreiwillige Zeitreise aus der Zukunft in unsere Gegenwart als tragische Odyssee darstellt. Ein einsamer Mann auf der Jagd nach einem Virus, der schon bald die Menschheit vernichten wird; eine schöne Frau (Madeleine Stowe), die zu ihm hält und schließlich mit ihm in ihrer Gegenwart leben will; das Geheimnis der zwölf Affen, das keines ist; und ein famoses Ende, das die Fäden auf tragische Weise zusammenführt – all das könnte in seiner Ernsthaftigkeit mitreißend sein.

Doch Gilliam muß immer wieder die Erwartungshaltung des Zuschauers bedienen und seine Hauptfiguren mit unmotivierten grotesken Einfällen konfrontieren, die sowohl visuell wie auch inhaltlich mehr als störend wirken. Dabei verliert er schon sehr bald den Suspense aus den Augen, den das schlecht getimete Drehbuch allein nicht aufzubauen vermag.

Einige poetische Momente (Willis und Stowe im Wald, die freigelassenen Tiere gegen Ende) verblassen, wenn Gilliam uns Dinge erklären muß, die seine Bilder schon verdeutlichen: Der direkte Vergleich mit Vertigo (der für Twelve Monkeys tödlich ausfällt) wird nicht nur im Film in einem Kino vorgenommen, sondern im Dialog noch kommentiert, und das durchaus ergreifende Zeitlupenfinale wird von einer kurzen Dialogszene zerstört, die die Auflösung der Story mittels eines leidlich schwarzhumorigen Gags erläutert. Weniger erzählerischer Aufwand wäre hier deutlich mehr gewesen. Gilliams ständiges Rufen nach »mehr« erkennt man auch an Brad Pitts Spiel, dessen unfragliches Talent von allzu nervösem Overacting zugekleistert wird. Allein an der glaubwürdigen Paarung Willis / Stowe zeigt sich adäquate Zurücknahme.

Der interessanteste Aspekt der Story wird von Gilliam nur halbherzig abgehandelt: Bruce Willis gerät auf seinen Reisen aus der Zukunft mehrfach in die falsche Zeit, wobei er sich einmal verwirrt und splitternackt in einem Schützengraben im Ersten Weltkrieg wiederfindet. Ähnlich aufregende und verstörende Momente wären Twelve Monkeys weit besser bekommen als Gilliams aufdringliche Obskuritäten.

Trotz der Enttäuschung ist dem Film sein ordentlicher Erfolg in den USA zu gönnen, da er zumindest versucht, eine ungewöhnliche Bilderwelt zu etablieren. Dennoch sollte einmal daran erinnert werden, daß Terry Gilliam neben dem Geniestreich Brazil auch Filme wie den abstrusen Time Bandits und den indiskutablen Münchhausen gedreht hat und seine visuellen Einfälle im grandios gespielten Fisher King teilweise plakativ ausfielen. Twelve Monkeys unterstreicht die These, daß Gilliam möglicherweise stark überschätzt wird. 1970-01-01 01:00

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