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Twelve Monkeys

USA 1995. R: Terry Gilliam. B: David Webb Peoples, Janet Peoples. K: Roger Pratt. S: Mick Audsley. M: Paul Buckmaster. D: Bruce Willis, Madeleine Stowe, Brad Pitt, Christopher Plummer u.a.
130 Min. Concorde ab 21.3.96
Von Peter Dickmeyer Es beginnt im Jahr 2035. Die Welt ist verwüstet und unbewohnbar – zumindest ihre Oberfläche. Der kümmerliche Rest der Menschheit lebt in einem klaustrophobischen Unterweltsystem, dessen Farbspektrum von Mausgrau bis Elefantengrau reicht. Der Sträfling James Cole (Bruce Willis) soll als »Freiwilliger« mit einer Zeitreise ins Jahr 1996 zurückkatapultiert werden, um dem Ursprung des geheimnisvollen Virus CZT auf die Spur zu kommen, der für den miserablen Zustand des blauen Planeten verantwortlich ist. Aber Zeitreisen sind nicht nur riskant, sondern auch sehr unpräzise. Erst nach einigen Fehlversuchen gelangt Cole ins richtige Jahr. Während der ganzen Zeit wird er von einem quälenden Alptraum begleitet, in dem ein Mann an einem Flughafen erschossen wird. Das Davor oder Danach ist ihm unbekannt, nur spürt er ganz deutlich, daß es eine Verbindung zu einer – wie auch immer gearteten – anderen Realität gibt.

Fieberhaft macht er sich auf die Suche nach der Ursache für den verhängnisvollen Virus. Doch all seine Warnungen bringen die Menschheit nicht einen Schritt ihrer Rettung näher, sondern den scheinbar halluzinierenden Fremden in eine geschlossene Anstalt. Dort trifft er auf die Psychiaterin Dr. Kathryn Railly (Madeleine Stowe) und den Mitpatienten Jeffrey Goines (Brad Pitt). Dieser liegt mit seinem Vater, einem angesehenen Virologen, im Dauerstreit, weil er Tiere für seine Experimente mißbraucht. Bald spürt Cole den mysteriösen »Geheimbund der zwölf Affen« auf, bei dem es sich um eine Gruppe militanter Tier-Aktivisten handelt, die den Teufel mit Beelzebub austreiben wollen.

Was Terry Gilliams' Filme verbindet, ist ihre Originalität – man kann sie mit nichts anderem vergleichen als mit sich selbst. Dennoch gibt es zwischen ihnen eine interne Vernetzung, denn Gilliam greift immer wieder Themen auf, die er zwar schon des öfteren be-, aber noch lange nicht abgearbeitet hat. So auch in Twelve Monkeys: Als da wären der Verlust von Identität, die Ausweglosigkeit des Seins und das Streben nach Erlösung. Allerdings wandert Gilliam diesmal noch konsequenter als je zuvor an der unsichtbaren Linie entlang, von der wir hoffen, daß sie den Wahnsinn von der Normalität trennt. Diese Hoffnung ist, will man ihm glauben, die reinste Utopie. Damit das noch deutlicher wird, entzieht er dem Zuschauer auch noch den letzten rettenden Strohhalm, den Humor, auf den er in Twelve Monkeys völlig verzichtet.

Gilliam zeichnet ein wenig positives Bild der näheren Zukunft. Twelve Monkeys ist ein Film über Verluste: den Verlust des Glaubens, der Missionen, der Freunde und letztendlich auch der Zukunft. Trotzdem bleibt eine kleine Flamme der Hoffnung.

Ein großes Lob muß man dem kompletten Ensemble aussprechen. Erstens für seine hervorragenden schauspielerischen Leistungen: Willis spielt so leidenschaftlich und rückhaltlos, daß man die Eitelkeit vergessen möchte, mit der er bei anderen Projekten darauf bestand, seinen breiten Scheitel per Computer retouchieren zu lassen. Hier ist er ohnehin glatzköpfig, schwitzt, sabbert und trägt durchgehend die Blessuren, die er während des Films empfängt, und wie Orden trägt. Aber auch der Rest der Besetzung ist nicht weniger überzeugend. Selbst der »sexiest man in the world« Brad Pitt zeigt Mut zur Häßlichkeit. Den Mangel an Grazie gleicht er spielend durch sein darstellerisches Können aus. Überhaupt muß man allen Beteiligten Mut bescheinigen, in so einem schwer zugänglichen Puzzle mitzuwirken, das sich nach allen Regeln der Kunst dem Kommerzkino entgegenstellt.

Gilliam hat sein Affentheater bis zum Rand mit Symbolen und Metaphern vollgepumpt, was diesen Film wahrlich nicht leicht konsumierbar, dafür aber zu einer echten intellektuellen Herausforderung macht. Die labyrinthartige Zukunftsvision läßt sich partout in kein Genrekorsett zwängen.

Ähnlich wie bei Gilliams bisher größtem Wurf Brazil wirkt auch Twelve Monkeys nach. Zwar kommt man nach gut 130 Minuten aus dem Kino, aber noch lange nicht aus dem Film. 1970-01-01 01:00

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