The Limey

USA 1999. R: Steven Soderbergh. B: Lem Dobbs. K: Ed Lachman. S: Sarah Flack. M: Cliff Martinez. P: Artisan. D: Terence Stamp, Peter Fonda, Lesley Ann Warren, Luis Guzman, Joe Dallesandro u.a.
96 Min. Highlight ab 6.1.00

Gut gelimet, Steven!

Von Anatol Weber Ein Mann aus einer vergangenen Zeit und einem fernen Land kommt, den Mörder seiner Tochter und die Lüge der unbegrenzten Möglichkeiten zu töten. Wilson, der Limey, ist seinen Idealen der 60er Protestbewegung treu geblieben, hat dafür aber nur den Knast geerntet, sein Widersacher Valentine ist mit dem kalifornischen Traum korrupt geworden, eines jener aalglatten Abziehbilder, die jeden Kulturbetrieb heutzutage verseuchen. Am Ende sterben alle die, die feige ihrem Opportunismus frönen, und der Rächer aus einer vergangenen Zeit verschwindet im Nichts einer Welt, die einst voller Farben schien.

Die Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung angesichts Steven Soderberghs neuen Films und schauen doch ehrfurchtsvoll, als würde der Limey gleich um die Ecke kommen und jedes falsche Wort wieder in den staunend geöffneten Mund zurückprügeln. Die Kinokasse wird den Film nicht mögen, zu sehr setzt er sich zwischen alle Stühle und wirft den Platzkartenbesitzern die Konsumlust unzerkaut und unverdaut ins viel zu süße Popcorn.

Auch ich bin begeistert und dankbar für diesen Film und hoffe jede Sekunde, daß Terence Stamp erscheint. Soderbergh hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben, und doch füllt sie Stamp mit noch mehr Leben aus. Sein Gesicht in seiner scheinbar stoischen und aristokratischen Einsilbigkeit erzählt Geschichte, denn The Limey ist auch ein Teil der Vergangenheit von Terence Stamp – immer wieder erscheinen Rückblenden, die dem Film Poor Cow von Ken Loach entnommen sind. Kein Computer, keine Maske, nur viel Respekt. Auch Valentine, der verdorbene amerikanische Traum, ist mit Peter Fonda kongenial besetzt. Wer sonst als der Easy Rider bricht besser jede Hoffnung auf Ideale und Werte der Protestbewegung, welche Korruption, welcher Verrat könnte größer sein, als durch den Prototypen begangen. Die Musik, in Out of Sight noch verschwenderischer Hochgenuß, untermalt hier gekonnt eine Zeit der Auslösung. Boston, Doobie Brothers, das war die kommerzielle Bankrotterklärung der Flower-Power-Bewegung.

The Limey ist ein Tritt in die Eier der Reaktion, eine Kampfansage gegen Feigheit und Opportunismus, eine Reflexion über Zeit und Film hinaus und eine Ode an einen der wundervollsten und faszinierendsten Schauspieler: Terence Stamp.

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.

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