Sleepers

USA 1996. R,B: Barry Levinson. K: Michael Ballhaus. S: Stu Linder. M: John Williams. D: Kevin Bacon, Robert de Niro, Dustin Hoffman, Jason Patric, Brad Pitt, Billy Crudrup, Ron Eldard u.a.
147 Min. PolyGram ab 30.1.97
Von Christine Ehret Hell's Kitchen – ein irisches Arbeiterviertel in New York, 1966. In dieser finsteren Gegend geht es zwar nicht ganz so brutal zu wie in Scorseses Hexenkessel, doch wenn Mami und Papi dauernd streiten, kann es schon mal passieren, daß die Kids Unrat bauen. So z.B. Sunnyboy Michael, der kleine aufgeweckte John, Thommy und Bücherwurm »Shakes«, benannt nach einem in Arbeitervierteln besonders viel gelesenen Schriftsteller des 16. Jahrhunderts. Die vier ziehen also los und klauen einem hart arbeitenden Unterschichts-Kollegen den Hot-dog-Wagen, welcher nach einer ewigen Verfolgungsjagd in Zeitlupe die Metrotreppe runterrollt – Sergej, the untouchable läßt grüßen – um dort einen arglosen Passanten fast zu Tode zu quetschen.

Konsequenterweise landen die Jungs für ein Jahr in einer Besserungsanstalt, wo ihre Reue durch brutale Wärter flugs in Haß umschlägt. Folter, sexueller Mißbrauch und Psychoterror bestimmen dort ihr Leben. Die Eltern sind froh, ihre Rabauken vom Hals zu haben und kriegen von der ganzen Misere nichts mit. Nur der sehr weltlich orientierte Pater Bobby – wie immer hervorragend gespielt von Robert de Niro – ahnt, was sie durchmachen. Denn wie der Zufall so spielt, hat er selbst einige seiner Jugendjahre in dieser Anstalt verbracht. Er rät ihnen durchzuhalten, frei nach dem Motto »Was dich nicht umbringt, macht dich hart.« Die körperlich und psychisch angeschlagenen Jungs schwören, sich eines Tages zu rächen…

Zeitsprung, elf Jahre später. An dieser Stelle entfernt sich die vorhersehbare Drehbuchvorlage glücklicherweise etwas von ihrem schicksalsträchtigen Trip und läßt wenigstens zwei der determinierten Jungs »was werden«. Wie sich im weiteren Verlauf jedoch herausstellt, dürfen Shakes und Michael kraft der Gnade des Autors nur deshalb als Journalist und Staatsanwalt brillieren, weil sie die inzwischen drogenabhängigen Killer John und Thommy vor der Todesstrafe retten müssen, nachdem diese ihrem Schwur gemäß einen der Wärter in einer hitzigen Aktion um die Ecke gebracht haben. Journalist und Staatsanwalt lassen ihre hervorragenden Beziehungen zur Gangsterszene ihrer Jugend spielen, um der gerechtigkeitsblinden Justitia ein wenig Sand in die Augen zu streuen.

Dem mitleiderregenden Jugenddrama wird eine Storywende angehängt: in altbekannter Courtroom-Szenerie nehmen die Opfer der unbegrenzten Möglichkeiten ihr Schicksal schließlich selbst in die Hand.

Die angedeutete Verschwörung der ewig zu kurz Gekommenen wirkt jedoch äußerst bemüht und kann auch durch die exzellente Besetzung – Dustin Hoffman, Kevin Bacon, Brad Pitt, Vittorio Gassman – nicht an geistreicher Brillanz gewinnen. Selbst die kompetente Inszenierung Barry Levinsons in Kombination mit der genialen Kameraarbeit von Michael Ballhaus und dem effektvollen Schnitt von Stu Linder können der stark vereinfachenden Story nicht über die 147 Minuten hinweghelfen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.

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