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Lichter

D 2003. R,B: Hans-Christian Schmid. B: Michael Gutmann. K: Bogumil Godfrejow. S: Hansjörg Weißbrich. M: The Notwist. P: Claussen & Wöbke. D: Ivan Shvedoff, Devid Striesow, Maria Simon, Janek Rieke, August Diehl u.a.
105 Min. Prokino ab 31.7.03

Überall ist es besser, wo wir nicht sind

Von Thomas Waitz Lichter sticht, was den Anspruch betrifft, von einer komplexen Lebenswirklichkeit zu berichten, in besonderer Weise aus den Filmen von Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann hervor. Die zahlreichen Handlungsebenen werden in mehrfacher Hinsicht verknüpft: räumlich über das Setting der Grenze, zeitlich durch die zwei Tage der erzählten Zeit, narrativ im Sich-Begegnen der Figuren. Und inhaltlich über eine die Protagonisten verbindende Idee von einem besseren Leben, woanders, irgendwann.

Dieses erzählerische Konzept des Nebeneinander wird da problematisch, wo Schmid und Gutmann das Beobachten zur Fallstudie gerät und die Figuren zu prototypischen Schicksalen gerinnen, die pars pro toto nur noch konkurrierende Wirklichkeitserfahrungen illustrieren, die eine niederschmetternde Traurigkeit eint. Das Warten der gestrandeten Flüchtlinge an einem schäbigen Imbiß, die mißtrauischen Blicke des Grenzschützers zur Dolmetscherin, die das Falsche richtig übersetzt. Und immer wieder die metonymisch gemeinten Lichter – Autos auf der Straße zur Grenze, Häuser auf der anderen Seite der Oder: Am Schluß muß, so scheint es, sich dennoch alles wieder fügen. Da bleibt kein loses Ende, kein Bild, das einfach für sich alleine stand.

Vielleicht ist es das, was man am ehesten schade finden mag an Lichter: Daß am Ende doch wieder die unerhörten und ungesehenen Bilder dem Wunsch, eine Geschichte zu erzählen, untergeordnet werden, mit allen Schlenkern und Verrenkungen, die dafür zu nehmen sind. Und so wirkt Lichter manchmal wie ein großartiger Vorgeschmack auf einen Film, der nicht gemacht worden ist, einen, der mit größerer Beiläufigkeit von all dem erzählte, was sich nicht sagen läßt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #31.
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