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Ladykillers

USA 2004. R,B: Joel Coen, Ethan Coen. K: Roger Deakins. S: Roderick Jaynes. M: Carter Burwell. P: Pancake Pictures. D: Tom Hanks, Irma P. Hall, Marlon Wayans, J.K. Simmons, Tzi Ma, Ryan Hurst u.a.
104 Min. Buena Vista ab 29.7.04

Eigenplagiat

Von Matthias Grimm Die Filme der Coen-Brüder waren stets nicht nur, aber auch, intertextuelle Bastarde. Ihre Figuren, Motive, Bildsprache und Narrationsmuster bis hin zu den Filmtiteln waren Referenzen auf und an die Filmgeschichte, ohne dabei jedoch Plagiat zu sein. Vielmehr stellen die Coens mit diesem Verfahren Schemata bereit, die das filmische Universum im Kontext von Genrecodes und Stereotypen verankern und auf eine Realität, die außerhalb alles Filmischen liegen könnte, nicht mehr angewiesen sind. Insofern scheint die Entscheidung, gleich ein Remake zu drehen, nur konsequent zu sein.

Genau das ist aber der fatale Irrtum von Ladykillers: Der Film bedient sich auf diese Weise nicht der Form eines Filmes, eines Genres oder deren Typen, sondern eines Inhaltes. Die Form, in die Ladykillers dann wieder eingepaßt wird, besteht aber, in dieser endlos verdoppelten Schleife der Selbstreferenzialität, nur noch in Codes des eigenen Œuvres: Ob das Südstaaten-Setting von O Brother, Where Art Thou?, die Figur des Garth, der ein Verwandter von John Goodmans Walter Sobchak sein könnte, bis hin zu den Unheil bringenden Gargoyles, die an die mit einem Eigenleben ausgestattete Architektur des Hudsucker Buildings gemahnen.

Da die Coens aber an keinem Punkt mit dem Bewußtsein über diese doppelte Referenzialität spielen, sondern sie als gegeben hinnehmen, ist Ladykillers vielleicht ihr erstes wirkliches Plagiat; nicht des Original-Ladykillers, sondern, so paradox es klingen mag, das Plagiat eines Coen-Films. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #35.

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