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Ladykillers

USA 2004. R,B: Joel Coen, Ethan Coen. K: Roger Deakins. S: Roderick Jaynes. M: Carter Burwell. P: Pancake Pictures. D: Tom Hanks, Irma P. Hall, Marlon Wayans, J.K. Simmons, Tzi Ma, Ryan Hurst u.a.
104 Min. Buena Vista ab 29.7.04

Aus neu mach alt

Von Stefan Höltgen Viel Neues wirft Ladykillers nicht in die Waagschale. Aber viel Altes. Denn, wenn bei Remakes eines sauer aufstößt, dann ist es der krampfhafte Versuch, den Stoff im Ganzen ganz neu erfinden zu wollen. Das hat Tim Burton mit Planet of the Apes vorgeführt.

In Ladykillers geht es demgegenüber mehr um die Neuperspektivierung einzelner Motive. Aber der Film will und kann noch mehr: Er inszeniert auch seine Replik an die Filmgeschichte. Er läßt seine 30er-Jahre-Südstaaten-Romantik, die standhaft-moralischen Ansichten der alten Lady und nicht zuletzt den in der Schauerromantik hängengebliebenen, schrulligen Professor auf die Realität des 21. Jahrhunderts prallen. All die gottesfürchtige Gospel-Musik, die rezitierten Poe-Gedichte und selbst die moralischen Skrupel vor dem kaltblütigen Mord wirken wie Anachronismen gegenüber der allgegenwärtigen zynischen Hip-Hop-Kultur, der sexistischen Sprache – ja, und gegenüber dem Sarkasmus, der genau aus dieser Differenz entsteht.

Denn so sehr sich der Professor auch bemühen mag, sein Verbrechen perfekt zu planen und auszuführen (sogar literarische Einfälle aus Poes »The Black Cat« will er verwenden): Die (Film-) Epoche, in der solch eine Handlung glückt, ist vorbei. Was die Coens aber schon immer ausgezeichnet hat, ist ihr ironisch-verklärter Umgang mit der Nostalgie. Daher gibt es auch hier ein Happy End – quasi als Versöhnung von Original und Remake.

Daß das funktioniert, garantieren vor allem die grandiosen Schauspieler – besonders Tom Hanks. Auch seine Rolle lebt vor allem von reflektierender Rückbesinnung. Ohne seine Karriere im »ernsten Fach« aus den Augen zu verlieren, knüpft er an seine frühen komödiantischen Filme an. Das Kreuzen dieser beiden Karriere-Stränge ist es, aus dem der Coen-Film reichlich komisches Potential zu schöpfen weiß. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #35.

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