Das Bild im Bild
Von Jutta Klocke
Wenn Malerei zum filmischen Gegenstand gemacht werden soll, erscheint die Verwandtschaft zwischen diesen beiden Medien zunächst als Vorteil. Oft aber erliegt das Kino der Gefahr, die darzustellende Kunst lediglich abzufotographieren, ohne eine eigene Interpretation zu finden. Das erweckt einen ähnlich uninspirierten Eindruck wie im Fernsehen übertragene Theateraufführungen. Gerade filmische Künstlerbiographien müssen sich mit diesem Darstellungsproblem auseinandersetzen, um die Kamera nicht als bloße Abbildungsapparatur zu verwenden.
Julie Taymor schlägt einen originellen Weg ein, um Kunst und Leben der Mexikanerin Frida Kahlo in Szene zu setzen. Auf ein unmotiviertes Vorzeigen der Gemälde hat sie ebenso verzichtet wie auf ein bloßes Abarbeiten der wichtigsten Lebensdaten und -stationen. Stattdessen werden die inneren Triebkräfte ausgelotet, aus denen heraus die Kunst der Kahlo entstand. Ohne oberlehrerhaften Impetus wird uns vor Augen geführt, inwieweit sich die Technik der naiven Malerei aus der kulturellen Identität, die Motivwahl dagegen aus der persönlichen (Leidens-)Geschichte erklärt. Denn der Film hat eine ganz eigene, spielerische Sprache gefunden, um Werk und Person miteinander zu verbinden.
Diese Sprache operiert nicht auf der Handlungsebene, sondern auf einer weiteren, rein visuellen Ebene, welche die Verwandtschaft von Malerei und Film tatsächlich sinnstiftend zu nutzen weiß. Wenn Fridas Gemälde – bezeichnenderweise meist Selbstporträts – sich von der Leinwand lösen und lebendig werden, gelingt es, die enge Verbindung zwischen der Schaffenden und dem Geschaffenen ohne Worte, ohne Handlung auszudrücken. Dann nämlich durchbricht die künstlerische Präsentation der eigenen Wahrnehmung als subjektives Moment die auktoriale Erzählinstanz und drängt sich soweit in den Vordergrund, bis (filmische) Realität und Gemälde eins werden.
1970-01-01 01:00