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Der freie Wille

D 2006. R,B,K,S: Matthias Glasner. B: Judith Angerbauer, Jürgen Vogel. K: Ingo Scheel. S: Mona Bräuer, Julia Wiedwald. M: Benedikt Schiefer. P: Colonia Media, Label 131, Schwarzweiß. D: Jürgen Vogel, Sabine Timoteo, André Hennicke, Manfred Zapatka, Judith Engel u.a.
163 Min. Kinowelt ab 24.8.06

Ironie der Rückkehr

Von Christian Lailach Das mit der Beschleunigung war schon immer ein Rätsel. Da weißt du noch, daß es nicht Meter pro Sekunde waren, sondern die Sekunden im Quadrat. Trotzdem irgendetwas mit Geschwindigkeit. Nur, woher stammen die zweiten Sekunden? Es war die Kraft, die auf eine Masse wirkt und diese auf den Weg schickt. Deshalb auch der Sturz vom Motorrad, wenn du zu stark beschleunigst; egal ob posi- oder negativ. Insofern sind Filme durchaus auch Physik. Zumindest mit Motorrädern vergleichbar.

Da beginnt Glasner ganz stoisch seinen Film in einem Sujet, läßt eben aufgebaute Handlungsstränge einfach unangetastet, um sich allmählich mit klaren Bildern neue zu zeichnen. Und dies ohne jede Dramatik. Vielmehr mit einer filigranen, energischen Langsamkeit, die seitens Zapatkas, Vogels und Timoteos in exzessiver Weise gestützt wird. Der Strang, den sie denn greifen, da sie einen greifen müssen, führt sie hinaus, hinaus aus dem Sujet, hinüber zu bislang weit abgelegenen Gefühlen, in denen man sich kurzzeitig vergißt. Immer weniger Langsamkeit, dafür mehr Irrwege, von denen einer begangen wird. Um schließlich über Kurz den Aufprall wagen zu müssen, mit eher schweren, gar brutalen, bisher unbedienten Methoden. Doch findet Glasner nicht den Weg zurück in das Sujet, stattdessen verharrt er auf einer prätentiösen Weise bei den Gefühlen.

Unterm Strich: Unzählige Male »Fotze«, denen es gelingt, dich in einem kraftvollen Film zu halten. Ebenso wie die nicht unauffälligen Eigenzitate, die sublim einen Kreis andeuten, der sich immer wieder aufs Neue zu schließen beginnt. Vielleicht mag gerade deshalb Der freie Wille dich jäh unbeeindruckt zurücklassen; ein Psychogramm, das vom Weg abkommt, sein Ziel trotz allem erreicht, wenn auch in anderer Gestalt. Auf daß dir nach einer Weile des anhaltenden Geschocktseins wieder einfällt: Noch vor dieser einen, unbegreiflichen, alles subsumierenden Szene, längst zu Beginn, da gab es diesen kleinen Hinweis auf Widersinn; ein wenig Slapstick, der nicht so recht passen wollte. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.

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