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99-Euro Films

D 2001. R: Sebastian Beer, Miriam Dehne, Matthias Glasner, Esther Gronenborn, Rolf Peter Kahl, Michael Klier, Nicolette Krebitz, Peter Lohmeyer, Daniel Petersen, Frieder Schlaich, Mark Schlichter, Martin Walz. P: Filmfest Oldenburg. D: Marek Harloff, Richy Müller, Laura Tonke u.a.
79 Min. Independent Partners ab 2.5.02

Moneyfest

Von Thomas Warnecke Insofern die zwölf Beiträge einen repräsentativen Querschnitt darstellen, ist festzuhalten: Der deutsche Film hat keine Probleme, aber eine Lösung: den Selbstmord. In drei Episoden schlagen Protagonisten diesen Weg ein oder versuchen es zumindest. Ein weiterer läßt sich für 20 DM verprügeln, und würden die Zahlen auf dem Lottoschein, den die kleine Leila nicht bezahlen kann, gezogen, würde sie resp. ihr Vater des Lebens wohl auch nicht mehr froh. Ob Nicolette Krebitz' Heldinnen nach dem Besuch beim Stricher glücklicher sind, war ihren Gesichtern nicht abzulesen, bei den tagträumenden Jungs aus »[tm]« ist es schon ganz egal: Sie würden wohl auch einen kompletten Langfilm über auf der Motorhaube liegen und einzig gelegentlich die Pilsflasche an den Hals setzen.

Ein solches Übermaß an Lebensüberdruß, gepaart mit billiger Mittelschichtslarmoyanz, ist nicht allein das Problem der meisten Kurzfilmgeschichten, es muß als Diagnose – repräsentativ oder nicht – den beteiligten Regisseuren attestiert werden, deren Urheberschaft und damit Verantwortung, deren Ideen und gar Visionen als »Grundlage eines guten Films« hervorzuheben ja die einzige wirkliche Aussage des vorausgeschickten Manifestes war. Immerhin legt dieses Manifest weiter nahe, 99 Euro Films als Wortmeldung der Filmemacher in der momentanen Diskussion um den deutschen Film zu verstehen. Daß diesem Begehren dann einzig und allein durch das gemeinsame Logo »99 Euro« Aufmerksamkeit verschafft werden soll, wird konterkariert, wenn im Abspann, bei der Angabe des Verwendungszwecks eben dieser Summe, Begriffe wie »Pizzaservice« oder »Kiste Bier« auftauchen.

Der insgesamt allenfalls mittelmäßige visuelle Einfallsreichtum – ausgerechnet einem Stilisten wie Matthias Glasner fällt bitterlich wenig zum MiniDV-Format ein – bei überwiegender Dialoglastigkeit läßt vermuten, daß auch mit einer größeren Summe nicht mehr zustande gekommen wäre. Daß aber die Misere im deutschen Kino keine der finanziellen Mittel ist, haben wir schon vorher gewußt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
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