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25 Stunden

25th Hour. USA 2002. R: Spike Lee. B: David Benioff. K: Rodrigo Prieto. S: Barry Alexander Brown. M: Terence Blanchard. P: 40 Acres and a Mule u.a. D: Edward Norton, Philip Seymour Hoffman, Barry Pepper u.a.
134 Min. Buena Vista ab 15.5.03

Verpuzzelt

Von Matthias Grimm Die amerikanische Selbstwahrnehmung sieht sich nach den Terroranschlägen des 11. September mit der Notwendigkeit einer Reorganisation ihres soziokulturellen Ethos konfrontiert, die durch eine den fiktionalen Medien auferlegte Bewältigungsarbeit geleistet werden soll. Spike Lee, der sich seit jeher der Neuordnung kollektiver Identitäten verschrieben hat, erklärt auch diese Aufgabe zu seiner Passion – und beläßt es bei ihrer Behauptung.

Deshalb, weil der Aktualitätsbezug seiner Bilder nicht der Geschichte selbst eingeschrieben ist und sich dementsprechend nur in Zeichen und Konnotationen ausdrückt: in amerikanischen Flaggen, die den Verlust des nationalen Selbstbewußtseins zum omnipräsenten Gegenstand der Wahrnehmung machen; in einer stroboskophaften Montagesequenz, welche die Beliebigkeit von Schuldzuweisungen an ethnische Gruppen visualisiert; in einem als idealisierte Reminiszenz an vergangene Werte gedachten und geträumten Lebensentwurf des Neuanfangs. 25 Stunden setzt sein Puzzle aus Handlungssträngen, Zeichen und Bildern nicht zusammen, sondern legt nur die Einzelteile aneinander.

In gewissem Sinne mag dies der postmodernen Annahme einer sich in Verweisen ausdrückenden Konstruktion filmischer Wirklichkeit entsprechen, in einem anderen ist es schlicht Beliebigkeit. Das ist schade, denn die Einzelteile für sich genommen können fast ausnahmslos gefallen: So ist jedes der oben beschriebenen »Zeichen und Konnotationen« ein kleines sarkastisches Kabinettstückchen, und David Benioffs melancholisches wie gleichermaßen brutales Großstadtdrama erfährt gerade durch seine Patchwork-Struktur eine Intensität, die auf Lees sich zwanghaft in einen global-politischen Kontext stellen wollende Interpretation gerne verzichten könnte. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #30.
© 2012, Schnitt Online

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