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2046

2046. HK/F/I/RC/D 2004. R,B: Wong Kar-wai. K: Christopher Doyle, Lai Yiu-fai, Kwan Pun-leung. S: William Chang. M: Peer Raben, Shigeru Umebayashi. P: Jet-Tone Films u.a. D: Tony Leung, Gong Li, Zhang Ziyi, Takuya Kimura u.a.
127 Min. Prokino ab 13.1.05

Zur Kunst verklärt

Von Dietrich Brüggemann Play it again, Wong. Was schon bei In the Mood for Love nicht funktioniert hat, aber erfolgreich war, wird hier wiederholt und zu ungebührlicher Breite ausgeweitet: Mann und Frau treten auf der Stelle, dazu erklingt ein an sich simples, schönes, wirkungsvolles musikalisches Motiv so oft, bis man es nicht mehr hören kann. Die Steigerung zum Vorgänger ist quantitativ: Es sind jetzt drei Frauen, die neben- und durcheinander den Film bevölkern, und es gibt verschiedene Musikstücke, die nach einem irgendwie komplexen System angeordnet sind, das aber kein Mensch kapiert.

All diese Dinge machen noch keinen schlechten Film aus, aber da einfach nichts passiert, was einen davon ablenken könnte, reicht es auch nicht für einen guten. Figuren werden nicht erschaffen, sondern behauptet. Geschichten werden nicht erzählt, sondern vorausgesetzt und dann weggelassen. Emotionen werden nicht hergestellt, sondern hingestellt. Einzig einige große Bilder bleiben haften.

William Goldman hat mal behauptet, daß man einem Filmemacher keinen Gefallen tut, indem man sein Werk zur Kunst verklärt, und hat diese These am Beispiel Alfred Hitchcocks belegt, dessen Filme deutlich schwächer wurden, nachdem die Nouvelle vague ihn zur Gallionsfigur gemacht hatte. Wenn Wong Kar-wai jetzt also in elegischer Langeweile um sich selber kreist, hätten das mit ihrem Singen die Kritiker getan, und da ist was dran: Wir sehen hier, wie jemand die Erwartungen erfüllen will, die in ihn gesetzt werden. Der Auteur hat seinen Stil gefunden und fängt an, sich zu wiederholen. Das Publikum kriegt, was es schon mal gut fand. Die Produktionsprinzipien von Hollywood sind nicht grundlegend anders, und die Filme, die dort entstehen, sind aus ähnlichen Gründen oft genauso langweilig. Dabei sollte eigentlich nicht nur die Unterhaltung etwas mit Überraschung zu tun haben, sondern ebensogut die Kunst. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

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