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2046

2046. HK/F/I/RC/D 2004. R,B: Wong Kar-wai. K: Christopher Doyle, Lai Yiu-fai, Kwan Pun-leung. S: William Chang. M: Peer Raben, Shigeru Umebayashi. P: Jet-Tone Films u.a. D: Tony Leung, Gong Li, Zhang Ziyi, Takuya Kimura u.a.
127 Min. Prokino ab 13.1.05

DOP Nr.1

Von Nikolaj Nikitin Es mag vermessen und besserwisserisch klingen, wenn Kritiker sich dazu hinreißen lassen, mit absoluten Superlativen um sich zu werfen. Aber ausnahmsweise möchte ich auf eine bestimme Person solch einen -Superlativ anwenden: Für mich produziert die Kameraarbeit von Christopher Doyle die momentan spannendsten Bilder im zeitgenössischen Kino. Mir fällt kein DOP der Gegenwart ein, der solch eine unverkennbare Handschrift besäße und einem Film derart einen – sprich seinen – Stempel aufdrückte (was bei einer schwachen oder unwissenden Regie schnell nach hinten losgehen kann). Aber in Kar-wai und in den von ihm ausgesuchten Darstellern hat Doyle ideale Komplizen für seine verwegenen Bilderwelten gefunden – von den Locations ganz zu schweigen (seit Kar-wais 1990 entstandenem Days of Being Wild hat das Duo kontinuierlich zusammengearbeitet und fast ein Dutzend gemeinsamer Werke hervorgebracht). Dabei wirken die Bilder Doyles oft wie in Öl gemalt und für die Ewigkeit festgehalten, weniger wie flüchtig verfliegende Kinobilder. Er scheint die Kinozeit einfrieren zu wollen, und man muß ihm voller Respekt zugestehen: Es gelingt ihm. Wie Doyle die Gesten und Gesichter der Protagonisten festhält – mir fällt niemand Vergleichbarer ein, der das Rauchen auf Zelluloid so lasziv fotographiert, daß man selbst als militanter Nichtraucher sofort gewillt ist, zum Glimmstengel zu greifen. Wie er scheinbar bekannte und langweilig anmutende Umgebungen wie Hotelzimmer zum Leben erweckt, fasziniert einen als Zuschauer derart, daß der Film stundenlang weitergehen könnte – und ein größeres Kompliment kann man einer Bildgestaltung in der Black Box nicht machen. Einfach sitzenbleiben, in der Hoffnung, es möge nicht aufhören. Mit 2046 ist die kreative Zusammenarbeit zwischen Kamera und Regie auf einem Höhepunkt angelangt, beide schufen durch eine kongeniale Kollaboration eine unikale, beklemmende Atmosphäre, die zu toppen sicherlich nicht so schnell gelingen mag – nicht einmal den beiden selber. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

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