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Whatever Works – Liebe sich, wer kann

Whatever Works. USA/F 2009. R,B: Woody Allen. K: Harris Savides. S: Alisa Lepselter. P: Sony Pictures Classics, Wild Bunch, Gravier Productions, Perdido Productions. D: Larry David, Adam Brooks, Lyle Kanouse, Michael McKean, Clifford Lee Dickson, Yolonda Ross, Carolyn McCormick, Samantha Bee u.a.
92 Min. Central Film ab 3.12.09

Der Größte seiner Klasse

Von Dietrich Brüggemann Nach der erstaunlichen europäischen Episode, die Woody Allen nach Match Point einlegte, kehrt er jetzt zurück zu seinen Wurzeln und zwar in mehrfacher Hinsicht: Whatever Works spielt nicht nur wie eh und je in New York, das Drehbuch stammt auch aus den 1970er Jahren und wurde jetzt wieder hervorgeholt. Der schräge Humor, das Theaterhafte, selbst die knatschbunte Farbkorrektur lassen den Film wie eine Reise in die Vergangenheit wirken.

Es geht um einen alternden Misanthropen namens Boris Yelnikoff, der an gar nichts mehr glaubt, schon gar nicht an die Menschheit, geschweige denn an die Liebe, bis sie ihm in der denkbar absurdesten Form passiert. Eine Unschuld vom Lande fällt ihm vor die Füße, verliebt sich in ihn, sie heiraten, und der Zuschauer folgt den Ereignissen in immer größerer Befremdung und denkt sich: Das kann doch alles gar nicht sein, das will er mir nicht ernsthaft erzählen. Aber Woody Allen, auch das eine Reminiszenz an sein Frühwerk, will hier natürlich gar nichts ernsthaft erzählen. Er will sich einen Jux machen, er hat diebischen Spaß daran, seine Menschen in der jeweils absurdest möglichen Kombination aufeinander loszulassen. Die erste Hälfte ist zwar lustig, irgendwie aber auch schwer erträglich – Larry David in der Hauptrolle ist einfach nur impertinent, Evan Rachel Wood als Südstaaten-Blondine ist irgendwie penetrant, man kommt sich vor wie im Boulevardtheater. Dann nimmt der Film eine Wendung ins noch Abseitigere, als die Mutter der Südstaaten-Blondine auftaucht, ihre Tochter nachhause holen will, Familienphotos vorzeigt, von einem Galeristen entdeckt wird und sich schnurstracks komplett verwandelt, nämlich in eine äußerst idiosynkratische New Yorker Künstlerin mit steilen Kostümen und einer Menage à trois. Ab hier geht alles durcheinander, die Menschen paaren sich in immer noch seltsameren Kombinationen, der Film durchbricht eine Art Schallmauer, macht auf einmal vorbehaltlos Spaß und kriegt am Ende sogar noch einen menschenfreundlichen Dreh ins Philosophische, vielleicht auch einen philosophischen Dreh ins Menschenfreundliche.

Es ist unglaublich selten, daß man in einem Film nach der ersten halben Stunde mit dem Gedanken spielt, einfach abzuhauen, dann doch bleibt und am Ende so beschwingt hinausgeht. Woody Allen ist doch irgendwie der Größte seiner Klasse – einer Klasse, die er selbst erschaffen hat, in der er eigentlich als einziger spielt, aber dennoch: der Größte. 2009-12-01 14:46

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