Sex and the City – The Movie

USA 2008. R,B: Michael Patrick King. K: John Thomas. S: Michael Berenbaum. M: Aaron Zigman. P: HBO Films. D: Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Cynthia Nixon, Kristin Davis, Chris Noth, Jason Lewis, Jennifer Hudson, Evan Handler, David Eigenberg, Willie Garson, Mario Cantone, Lynn Cohen u.a.
145 Min. Warner ab 29.5.08

Das Glücksversprechen des begehbaren Kleiderschranks

Von Lisa John Was passiert, wenn rosarotes Glitzerfernsehen für freche Frauen versucht, nach sechs Staffeln begeistert zelebrierter Promiskuität mit gelegentlichen monogamen Einsprengseln plötzlich das Thema »Liebe« in den Fokus zu rücken? Über zwei Stunden gepflegte Langeweile. Gepflegt aber nur deshalb, weil eine staubkornfreie Wolke der Sterilität um die Bilder von blauen Stöckelschuhen irgendeiner vermeintlich bekannten Marke wabert. Die (heimlichen) Hauptdarsteller des Films sind dabei ehrlicher als ihre Trägerinnen, begnügen sie sich doch offen mit der ihnen zugewiesenen Rolle als Fetischobjekt.

Carrie Bradshaw und ihre Komparsinnen dagegen wähnen sich im Himmel der Fortschrittlichkeit. Sie können wirklich über alles reden. Unrasierte »Bikinizonen«, Durchfall und natürlich verwegen offen über das Tabuthema Sex. Das kennen wir doch irgendwoher? Lady Bitch Ray überreicht Oliver Pocher Fotzensaft, und Charlotte Roche widmet den weiblichen »Feuchtgebieten« ein ganzes Buch, das prompt die Bestsellerlisten anführt. Gegen die jüngsten Manifestationen eines neuen weiblichen Selbstbewußtseins mutet die Kinoaufbereitung der einst auch vom linken Popjournalismus als subversiv-emanzipatorisch gefeierten »Kult-Serie« geradezu zahm an. Als feministisch könnte man bestenfalls das Agenda-Setting einer weiblichen Diskussionskultur zum Thema Sexualität deuten. Doch traurigerweise erschöpft sich dieses Thema in der einfachen Invertierung männlicher Machofantasien. Auch hier gilt die Häufigkeit des sexuellen Akts als Meßlatte für privaten Erfolg.

Doch im Film, dessen Handlung um Carries Hochzeitspläne mit dem aus der Serie bekannten »Mr. Big« kreist, ist es einzig Samantha, die weiterhin die Vorzüge von Hedonismus und Polygamie preist. Den anderen dient sie bei aller Bewunderung für ihre Zielstrebigkeit auch zur Abgrenzung und der Versicherung der eigenen Normalität. Die »sexuell befreiten« New Yorkerinnen sind in den vier Jahren Sendepause »erwachsen« geworden und bekennen sich, ganz im Zeitgeist der vielbeschworenen »Neuen Bürgerlichkeit«, zur Ehe.

Ein »Fan« der Serie wird vom ersten Drittel des Kinofilms das bekommen, was er erwarten konnte: Die Erzählstränge werden auf vertraute Art weitergesponnen, und auch das schnelle Tempo orientiert sich an der Serie. Dazu noch mehr quietschbunte Outfits, halsbrecherisch hohe Schuhe, hysterisches Gekreische und die Gewißheit, daß begehbare Kleiderschränke ultimative Liebesbeweise darstellen. Nach dem ersten dramaturgischen Höhepunkt wird das Tempo jedoch drastisch reduziert, vermutlich aus dem Versuch heraus, reflektierte Ernsthaftigkeit zu demonstrieren. Vermutlich weil die durchgehend weiße Besetzung der Protagonistinnen in der Serie den Produzenten als Risiko für den weltweiten Kinomarkt erscheinen mußte, wird Carrie in Form einer dunkelhäutigen »Assistentin« ein Sidekick zur Seite gestellt. Die von Jennifer Hudson gespielte Louise dient als Identifikationsfigur nicht nur für dunkelhäutige Zuschauer(innen), sondern kann in dem hektischen Gekreische insgesamt als bodenständig gebliebene Vertreterin des »gesunden Menschenverstandes« gesehen werden. Doch wie in jeder Frau des Sex and the City-Universums existiert auch in ihr der Wunsch nach der prestigeträchtigen Handtasche, der sie mit ihrer Arbeitgeberin über ethnische und materielle Unterschiede hinweg vereinigt. Auch Louise wird schließlich zur vollwertigen Frau, als sie von Carrie für ihre Mühen mit einer (echten!) Louis Vuitton-Tasche beglückt wird.

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