Rezeptfreie Lichttherapie
Von Sebastian Gosmann
Welch eine Wohltat dieser Film ist. Nicht nur, daß Jean Becker mit seinem sonnendurchfluteten Werk für gut 110 Minuten den grauen Winter vergessen macht, er erzählt auch eine im besten Sinne warmherzige und anrührende Geschichte um eine wieder aufgenommene Freundschaft. Nach Jahrzehnten stehen sich die beiden Schulfreunde von einst erstmals wieder gegenüber: Der eine (Auteuil), mittlerweile renommierter Maler in Paris und im Begriff, sein Elternhaus in der französischen Provinz in Schuß zu bringen, engagiert – ohne es zu wissen – den anderen (Daroussin) als Gärtner. Gespräche zwischen dem problemgeplagten, intellektuellen Stadtmenschen und dem zufriedenen, genügsamen Provinzler hat es im Kino ja schon zuhauf gegeben – und die meisten enden damit, daß Ersterer nach umfassender Reflektion seines komplizierten Daseins mit der Einfachheit des Landlebens Vorlieb nimmt.
Dagegen ist Beckers Haltung eine angenehm aufrichtige und sein Blick ein wesentlich genauerer. Durch die starke Konzentration auf die Hauptfiguren etabliert er den ländlichen Lebensraums auf der Bildebene nur beiläufig und verbietet sich zudem konsequent das Schwelgen in romantisch verklärenden Landschaftstotalen. Und dann ist da ja auch noch der allgegenwärtige feine Dialogwitz, der beileibe nicht nur auf die Skurrilitäten im Leben des wohlsituierten Städters abzielt, sondern immer auch die Nachteile und Problemchen im Visier hat, die das Landleben so mit sich bringt.
Inszenatorisch hält sich Becker vornehm zurück und vertraut vollkommen auf die Kraft der größtenteils aus Henri Cuecos Romanvorlage übernommenen Dialoge und die Ausdrucksstärke seiner beiden erfahrenen Hauptdarsteller. Gut so, denn Auteuil und Daroussin harmonieren perfekt miteinander – sie verkörpern die so unterschiedlichen Charaktere mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, daß der Zuschauer im Handumdrehen gefesselt ist von der unmittelbaren Vertrautheit der Protagonisten und der rasch wachsenden Intensität der porträtierten Freundschaft. Beckers großes Verdienst ist, daß er das positive Grundgefühl, das Dialog mit meinem Gärtner dem Zuschauer vermittelt, bis zum Schluß bewahren kann – und das trotz des überaus tragischen Ausgangs der Geschichte.
2007-12-17 14:49