Der Langweiler ist immer der Gärtner
Von Kerrin Devos
Die Welt träumt von Paris, Paris aber sehnt sich aufs Land. Frankreich ist eine gespaltene Nation: Das intellektuelle Großstadtleben und »la vie simple« bilden den modernen, französischen Gegensatz, der als Hintergrund für diesen Film über eine späte Freundschaft dient und sich auch in den beiden Hauptfiguren, dem Maler und dem Gärtner, wiederfindet. Frankreich wird präsentiert, wie es sich gefällt: teurer Rotwein aus schlichten Wassergläsern, Eingemachtes wie zu Großmutters Zeiten und genug Geld, um ab und an ein junges Mädchen zu beeindrucken.
Inhaltlich verspricht das Drehbuch vollmundig eine philosophische Selbstfindung, basierend auf außergewöhnlichen Dialogen, die naiv und doch tiefsinnig sein sollen. Universelle Lebenswahrheiten für den Hausgebrauch – das klingt verdächtig nach Der Alchimist. Die Themenauswahl – Leben und Tod, Natur und Kunst – bzw. ihre Ausführung sind so banal wie die Weisheiten des Gärtners und finden ihren (peinlichen) Höhepunkt in einer Szene vor dem Gemälde »Die Freiheit führt das Volk«.
Eine Hymne an das einfache Leben sollte es werden. Ganz in diesem Sinne werden nur wenige Schauplätze verwendet, die Regie hält sich diskret zurück, und die Ausstattung ist minimalistisch. Einziger Luxus ist der fast verschwenderische Umgang mit natürlichem Sonnenlicht. Jedoch erweckt der Gärtner als fast kindlich-naive Großvaterfigur eher Langeweile als Sympathie beim Zuschauer, und daß der Maler sein Leben ändert und sich neu erfindet, ist ein Thema, das ein für alle Mal begraben gehört.
Alarmierend unspektakuläre Dialoge, zwei hoffnungslos unterforderte Hauptdarsteller und Moral aus der Mottenkiste – Jean Becker wandelt mit diesem Film auf ausgetretenen Pfaden.