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Robot & Frank

USA 2012. R: Jake Schreier. B: Christopher D. Ford. K: Matthew J. Lloyd. S: Jacob Craycroft. M: Francis and the Lights. P: Stage 6 Films, Dog Run Pictures, Park Pictures, TBB, White Hat. D: Frank Langella, James Marsden, Liv Tyler, Susan Sarandon, Jeremy Strong, Jeremy Sisto u.a.
90 Min. Senator ab 25.10.12

Alte Liebe rostet nicht

Von Tim Lindemann In welche Richtung muß sich das uralte Genre Science Fiction in einer Gegenwart entwickeln, in der kaum noch eine fiktive Technologie für Erstaunen sorgen kann, weil sie entweder zumindest in Ansätzen bereits existiert oder wie ein Relikt aus alten Zeiten wirkt? Müssen die Wolkenkratzer höher, die fliegenden Autos schneller und die Waffen noch perfider werden? Zum Glück scheint sich gerade ein anderer Trend zu entwickeln, der behutsame Zukunftsvisionen den drastischen vorzieht. Dafür sprechen etwa District 9, Monsters, der spanische Film Eva und nun auch Jake Schreiers Debüt Robot & Frank.

Die Zukunft hat hier eher schleichend eingesetzt: Die Autos gleiten, über dem Kamin hängt kein Gemälde, sondern ein Telefon- Bildschirm – und Roboter werden als Altenpfleger eingesetzt. Das muß der grummelige, aber gutherzige Frank am eigenen Leib erfahren, als ihm sein Sohn einen ebensolchen mechanischen Helfer ungefragt ins Haus bringt. Wie es das Gesetz der Komödie will, wächst das ungleiche Paar über den Lauf des Films zusammen: der futuristisch und kühl designte VGC -60L (im Original von Peter Sarsgaard gesprochen) und Frank, der immer noch stoisch die Bücherei aufsucht. Das geschieht, vor allem dank Frank Langella, auf durchaus liebenswerte Art und Weise, leider aber auch recht voraussehbar: Regisseur Schreier konzentriert sich eher auf die Komik zwischen Mensch und Maschine, die nicht immer recht zünden will, anstatt sich mit den interessanten Fragen von (Un-)Sterblichkeit zu beschäftigen, die der Plot aufwerfen könnte.

Insgesamt zielt der Film zu sehr auf seichte Komik ab, drückt sich um die durchaus unheimlichen Aspekte des Themas ebenso herum wie um die Tragik von Franks Einsamkeit. Stattdessen wird mit der Bibliothekarin Jennifer schnell ein potentieller »Love Interest« eingeführt, der den Plot endgültig in recht standardisierte Bahnen drängt. Dafür gehen die Szenen mit Langella und Sarandon allerdings wirklich zu Herzen, versprühen echte Chemie in einem Film, der oftmals, wie sein metallener Protagonist, konstruiert wirkt. Liebenswert ist Robot & Frank allemal, aber harmloser als es einem so hochkarätig besetzten Sci-Fi-Märchen guttun würde. 2012-10-23 14:53

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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