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Policeman

Ha-shoter. IL 2011. R,B: Nadav Lapid. K: Shai Goldman. S: Era Lapid. P: HOT, Laïla Films, Rabinovich Film Fund Cinema Project. D: Ben Adam, Michael Aloni, Meital Barda, Gal Hoyberger, Yiftach Klein, Shaul Mizrahi, Michael Moshonov, Menashe Noy u.a.
105 Min. GM Films ab 25.10.12

Diese fetten Jahre

Von Susan Noll Weißes Sonnenlicht über einer steinigen Landschaft, das ist Israel. In dieser Kulisse fahren fünf Männer Rad und besteigen anschließend einen Berg, von dem aus sie ihre Namen ins Tal rufen. Einer von ihnen ist Yaron, die anderen seine Kollegen, sie bilden eine Antiterroreinheit bei der Polizei. Yarons Frau ist hochschwanger, eine neue Generation ist auf dem Weg. Angesichts dieser zukünftigen Verantwortung scheint die selbstbewußte Fassade des Polizisten zu bröckeln, er muß sich mit alten Fehlern und neuen Aufgaben auseinandersetzen.

Doch dieser Eindruck bleibt nur äußerlich. Psychologisiert wird in diesem Film eigentlich nichts, und das, obwohl er versucht, Einblicke in die Psyche eines Landes zu geben, das sich spätestens seit den sozialen Protesten von 2011 nicht mehr nur mit seiner Außenpolitik auseinandersetzen muß, sondern sich immer stärker als innerlich gespaltene Nation zeigt. Die fetten Jahre sind offenbar auch in Israel vorbei. Neben Yaron wird darum in einem zweiten Erzählstrang eine Gruppe junger Israelis gezeigt, die sich radikal gegen die Ungerechtigkeit in ihrer Heimat wenden und eine bewaffnete Aktion planen.

Der sozial relevante Bezug des Films verschwindet leider hinter seinem strengen Formalismus, bedeutungsschweren Dialogen und poetischen Bildern, die für sich genommen eindrucksvoll sind, die allerdings dem ihnen zugrundeliegenden Thema kaum genug Ausdruck geben. Zur treibenden Kraft des Films wird ein emotionaler und wertbehafteter Generationskonflikt, der genug Möglichkeiten für eine individuelle, politische Auseinandersetzung böte, würde nur dieses Thema auch wirklich emotional erzählt werden. Doch die Charaktere und ihre Überzeugungen bleiben fremd und kalt, ihr Handeln bühnenhaft distanziert. Die Aktivisten nehmen schließlich zwei schwerreiche Unternehmer auf einer Hochzeit als Geiseln, die Braut will nicht von der Seite ihres Vaters weichen und auch einer der Rebellen hat unfreiwillig seinen Vater in die Aktion involviert. Als Yarons Einheit eingreifen muß, kommt es bei ihm endlich zu einer erkennbaren kritischen Gefühlsregung. Doch da ist der Film leider schon fast vorbei. 2012-10-23 13:45

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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