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Für Elise

D 2012. R: Wolfgang Dinslage. B: Erzsébet Rácz. K: Kai Rostásy. S: Andreas Baltschun. P: ostlicht filmproduktion. D: Jasna Fritzi Bauer, Christina Große, Hendrik Duryn, Katharina Eckerfeld, Annekathrin Bürger, Marie-Anne Fliegel, Hilmar Eichhorn, Johannes Gabriel u.a.
93 Min. Farbfilm ab 11.10.12

Grenzgang der Einsamkeit

Von Constanze Frowein Die Auflösung der Grenzen zwischen Erwachsenendasein, Jugend und Kindheit zeigt sich bei manch einem Erwachsenen mit der Flucht vor dem Druck von Verpflichtung, Vernunft und Verantwortung. Manches Kind wiederum wird dadurch auf dem Weg in die Jugend mit dem Wunsch nach elterlichem Halt alleingelassen und durch das Verhalten sich an der Jugend festklammernder Eltern in deren Verantwortung gezwängt.

Vielleicht ist es das, wovon uns Für Elise erzählt – vielleicht aber auch lediglich die Geschichte einer verzweifelten Mutter namens Betty, die nach dem Verlust des Vaters ihrer gemeinsamen Tochter Elise in die Alkoholsucht gleitet und das Mädchen mit der Trauer alleinläßt, statt sie mit ihr zu teilen. Betty sucht immer wieder verzweifelt nach Halt in flüchtigen Männerbekanntschaften. Erst als sie den vernunftgeprägten Familienvater Ludwig kennenlernt, offenbart sich das Ausmaß der Gefahr, welche die Verwischung der Rollenverhältnisse von Mutter und Tochter birgt. Die Dramatik besteht nicht allein darin, daß Elise sich mütterlich um ihre eigene Mutter kümmert, sondern auch darin, daß Ludwig zum Konkurrenzobjekt eines erbarmungslosen Mutter-Tochter-Konflikts wird. Dabei geht die Geschichtsführung, welche durch die nicht immer nachvollziehbare Personenführung irritiert, ans Äußerste.

Warum die Mutter sich von Beginn des Films an von ihrem bei einem Unfall gestorbenen Mann im Stich gelassen fühlt und warum Mutter und Tochter einen erbitterten Machtkampf führen, erfährt der Zuschauer nicht. Manches Mal wirken offene Fragen in filmischen Verläufen erleichternd, doch in Für Elise kann sich der Zuschauer verloren fühlen: Die saubere Bildführung im Kontrast zur Situationsschilderung und zu stark konstruiert wirkenden Filmcharakteren hindert daran, in die Geschichte einzutauchen.

Konzentrierte Ruhepunkte findet der Film mit Elises Rückzug in das Klavierspiel. Die Musik der Romantik mit Stücken von Frédéric Chopin oder Robert Schumann könnte der Schlüssel sein, der Elises Wunsch nach einer weniger erbarmungslosen Wirklichkeit zeichnet, welche die Heranwachsende ihre Einsamkeit vergessen läßt. 2012-10-11 13:07

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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