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Bombay Beach

USA 2011. R,K,S: Alma Har‘el. S: Joe Lindquist. M: Zach Condon.
80 Min. Rapid Eye Movies ab 27.9.12

Die Schönheit des Verfalls

Von Jens Mayer Ein verrottender Hundeleichnam. Ein verendeter Esel. Ganz beiläufig liegen sie da in der Wüste, unbeachtet, scheinbar Staffage. Doch müßte man wenige Bilder finden, um zu erklären, was Bombay Beach ist, sie wären hier. Ein Ort, der längst im Verfall begriffen ist, der nicht mehr wirklich gebraucht wird. Wie Salton Sea, der künstliche See, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Folge eines Dammbruchs am Colorado River entstand, und sich von den 1920er bis 50er Jahren zu einem beliebten Ausflugs- und Ferienziel Südkaliforniens entwickelte. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, heute kommen kaum noch Touristen hierher, der überhöhte Salzgehalt im Wasser tötet alles Leben ab. Dieser Ort an der untersten Spitze Kaliforniens ist zu einem vergessenen Ort geworden. Doch in Bombay Beach leben noch rund 100 Menschen. Die sind entweder arm oder gesellschaftliche Außenseiter, meistens beides. Sie gehören zu dem Typus der amerikanischen Arbeiterklasse, der in der Realität der gegenwärtigen USA keinen Platz mehr findet. Die israelische Filmemacherin Alma Ha’rel hat sich mit ihren Indierock- Musikvideos für die Balkan-Folk-Band Beirut einen Namen gemacht und sich eine eigene Bildsprache erarbeitet. Auch in Bombay Beach spielt Musik eine entscheidende Rolle, auch hier hat sie mit Beirut- Sänger Zach Condon zusammengearbeitet. Ihr Portrait über dieses kleine Stückchen Erde am Ende der Welt bricht dokumentarische Konventionen auf und entwickelt statt dessen einen magischen Realismus. Stilisierte Bilder, innere Monologe und fantasievolle Tanzchoreographien verschmelzen mit den Geschichten ihrer drei Hauptcharaktere zu einem Gesamtkunstwerk: Der manisch-depressive Junge Benny, der davon träumt, Feuerwehrmann zu werden, der schwarze Teenager DeeJay, der vor der Gewalt in South Central Los Angeles geflüchtet ist und professioneller Football-Spieler werden will, und der ehemalige Ölfeld-Arbeiter Red, den Clint Eastwood nicht besser hätte verkörpern können: Americana. Es ist nicht nur die Schönheit des Verfalls von Bombay Beach, den Ha’rel festzuhalten vermag, sondern tatsächlich seine berührende Wahrhaftigkeit. 2012-09-26 16:43

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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