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The Cabin in the Woods

USA 2012. R,B: Drew Goddard. B: Joss Whedon. K: Peter Deming. S: Lisa Lassek. M: David Julyan. P: AFX Studios, Metro-Goldwyn-Mayer, Mutant Enemy, United Artists. D: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Richard Jenkins, Bradley Whitford, Jesse Williams, Fran Kranz, Anna Hutchison, Brian J. White, Jodelle Ferland u.a.
95 Min. Universum ab 6.9.12

Hüttenzauber

Von Carsten Happe Es sind die Archetypen, die das Horrorgenre am Leben erhalten und mit ewig frischem Blut versorgen. Kaum ein anderes Genre geriert sich ähnlich konservativ, seinen Regeln und Konventionen stets verpflichtet. Erfolgreiche Schemata werden wieder und wieder ausgebeutet, gelegentlich variiert, selten auch einmal dekonstruiert. Wes Craven zog in den Neunzigern mit Freddy’s New Nightmare und insbesondere dem ersten Teil der Scream-Reihe effektive und augenöffnende Metaebenen in die gängigen Horrorkonstruktionen ein, entlarvte einerseits die Stereotypie und machte andererseits das Genre mit ironischen Brechungen für die Post-Post-Moderne flott. Bis die Torture- Porn-Welle der Nuller-Jahre einen sowohl ästhetischen als auch ideologischen Rückschritt bedeutete – die auf einer spekulativen Ebene möglicherweise den politischen Gegebenheiten geschuldet war, jedoch vor allem die Angstlust als zentrales Motiv des Horrorfilms ignorierte und letztlich wenig ergiebig um nichts als sich selbst kreiste. Daß sich auch das dekonstruierende Element nicht beliebig wiederholen ließ, zeigte Cravens eigener, uninspiriert modernisierter Scream 4. Den Gegenbeweis, daß sich auch im Jahr 2012 die penible Erfüllung der Genreregeln und das lustvolle Auskosten der ironischen Metatextualität zu einem homogenen Werk vermengen lassen, treten nun Buffy- und Avengers-Mastermind Joss Whedon sowie der Cloverfield-Autor Drew Goddard mit dessen Regiedebüt The Cabin in the Woods an.

Die Selbstreferenzialität ist auch hier das dominierende Prinzip; visuelle Anspielungen und Zitate kanonischer Horrorfilme sind Legion und können wahrscheinlich erst bei einer Standbild-Analyse vollständig entschlüsselt werden. Aber auch beim ersten Sehen entwickelt sich ein unbändiger Spaß: Zunächst an der in bester Breakfast Club- Analogie aufgestellten Clique aus Sportler, Jungfrau, Streber, Flittchen und Nerd sowie ihren an Waldorf & Statler gemahnenden Gegenparts im unterirdischen Kontrollraum, die das zum Klischee erstarrte Motiv von der Privatparty in der Waldhütte und ihren obligatorischen ungebetenen Gästen ins Rollen bringen.

Die Versuchsanordnung der ungleichen Gegner, die fast jedem Horrorfilm innewohnt, wird konsequent auf die Spitze getrieben. Anfängliche Befürchtungen, daß sich das Gemetzel in einem artifiziellen, in jeglicher Hinsicht überschaubaren Raum abspielt, werden allerdings schnell beiseite gewischt. Darin liegt auch eine Selbsterkenntnis der Filmemacher verborgen, die sich ab einem gewissen Punkt nicht länger hinter ihren Kontrollmonitoren und in den Schneideräumen verschanzen können und sich der brutalen Außenwelt stellen müssen. Ironischerweise wurde The Cabin in the Woods bereits 2009 gedreht, konnte aber aufgrund struktureller Umwälzungen der Studios MGM und Lionsgate erst in diesem Jahr veröffentlicht werden. Die lange Lagerzeit hat dem Film jedoch keineswegs geschadet. Das Angebot an Mainstream- Horror in den vergangenen Jahren hat nur vielmehr verdeutlicht, wie weit The Cabin in the Woods der Konkurrenz enteilt ist.

»Expect the worst« ist ein weiteres der ungeschriebenen Genregesetze, und wie es sich in der zweiten Hälfte des Films dann auch gegen die Schöpfer der Gruselwelten richtet, das ist nicht weniger als furios zu nennen. Auf ihrer Achterbahnfahrt durch die Mythen und Legenden des Horrorfilms reißen Whedon und Goddard alle Regeln genüßlich nieder (und errichten sie aus den Trümmern wieder neu). Daß The Cabin in the Woods vom US-Publikum eher lauwarm angenommen wurde, deutet dabei auf ebenso konservative Genrefans, die lieber ihre Protagonisten durch den Fleischwolf gedreht sehen wollen als ihre Gewohnheiten. Denn trotz der ironischen, manchmal auch zynischen Spiegelung der Konventionen gelingt Whedon und Goddard ein ebenso nervenzerrendes, blutspritzendes Spektakel wie auch der reflexive Diskurs über seine Bedingungen. 2012-09-09 14:02

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