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Ins Blaue

D 2011. R,B: Rudolf Thome. K: Bernadette Paassen. S: Beatrice Babin. M: Georg Kranz, Robert Neumann. P: Moana-Film. D: Vadim Glowna, Alice Dwyer, Esther Zimmering, Janina Rudenska, Elisabeth-Marie Leistikow, Henning Vogt, Stefan Rudolf, Christian Althoff u.a.
105 Min. Prometheus Filmverleih Rudolf Thome ab 30.8.12

Die Karawane zieht weiter

Von Heiko Martens Neben der vielzitierten Anweisung, nicht mit Kindern und Tieren zu drehen, gilt auch diese Warnung als Regel der Filmzunft mit nur wenigen berechtigten Ausnahmen: keine Filme über das Filmemachen oder Fußball. Kommt man unbeschadet davon, wenn man diese Regel einfach so »ins Blaue« hinein bricht?

Nachwuchsregisseurin Nike (Alice Dwyer) ist mit ihrem Filmteam in Italien unterwegs, um den Film »Ins Blaue« zu verwirklichen. Zuvörderst mit an Bord der Wagenkolonne: ihr Vater Abraham, der Produzent des Films (Vadim Glowna). Während die Drehorte wechseln, entsteht eine Geschichte, die aus Versatzstücken von Film, Film im Film und Film über Filmen verflochten ist, wobei vor allem die Binnenerzählung einen philosophischen Überbau an den Tag legt, der sich in der Rahmenhandlung spiegelt und diese vor allem kontrastiert. Der Film im Film ist der Traum, während in der Realität der eigentlichen Erzählung vor allem auch gescheitert wird.

Die beiden Zentren der Geschichte sind die kaum mehr als gehauchte Liebesgeschichte zwischen Regisseurin Nike und ihrem Tonmann Lukas sowie der Ablösungsprozeß der Tochter von ihrem Vater Abraham, der genregerecht nicht loslassen kann – auch nicht seine Affäre mit der Schauspielerin Laura (Elisabeth-Marie Leistikow), die sich für ihre Rolle im Film hingibt.

Was Potential zum Drama hätte, wird hier strikt dem Thema unterworfen, und Emotionen wie Handlung wirken gebleicht von der Mittelmeersonne. Regisseur und Autor Thome, wie die Figur Abraham ein alter Hase im Filmgeschäft, ergänzt das unaufdringlich inszenierte Vexierspiel mit seiner Biographie um eine extradiegetische Komponente, die mit Kino an sich wenig zu tun hat, dieses aber wohl gerechtfertigt nutzen darf. Das legitimiert den Regelbruch, verliert aber auch manchmal den inneren Zwang, den man durch ausführlichere Figurenführung hätte herstellen können. Der bewußte Verzicht hierauf feiert den ewigen Fluß, in dem sich alles befindet, mehr als den Dammbruch, der die Premiere eines Films hätte sein können. So geht es danach vor allem einfach weiter. 2012-08-27 08:36

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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