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Starbuck

CDN 2011. R,B: Ken Scott. B: Martin Petit. K: Pierre Gill. S: Yvann Thibaudeau. M: David Lafleche. P: Caramel Film. D: Patrick Huard, Julie LeBreton, Antoine Bertrand, Catherine de Seynes, Patrick Caux, Sebastien Beaulac, Patrick Martin u.a.
109 Min. Ascot Elite ab 16.8.12

Amélie in der Samenbank

Von Tim Lindemann Eine Komödie übers Samenspenden? Bei dem Gedanken tauchen unvermittelt schreckliche, imaginäre Szenen mit Adam Sandler oder Rob Schneider in den Hauptrollen vor dem inneren Auge auf. Der kanadische Film Starbuck beweist nun, daß man das zum Kalauer reizende Thema auch in eine Art handfeste Version von Die fabelhafte Welt der Amélie verwandeln und dabei geschickt die Balance zwischen Derbheit und Subtilität halten kann.

Der pummelige Mitdreißiger David wird mit einer unfaßbaren Nachricht konfrontiert: Aus seinen zahlreichen, finanziell motivierten Samenspenden von vor ca. zwanzig Jahren sind über hundert Kinder geworden, die nun gerichtlich versuchen, die Identität ihres biologischen Vaters herauszufinden. Gleichzeitig erfährt er, daß seine Freundin ein Kind von ihm erwartet – auf die altmodische Art. Fühlt er sich der traditionellen Vaterrolle noch durchaus gewachsen, kommt dem selbst noch kindischen Faulpelz der zahllose »künstliche« Nachwuchs gar nicht gelegen. Schließlich aber obsiegt doch die Neugier und so beginnt David auf drollig-gutmütige Art unbemerkt in das Leben seiner Sprößlinge einzugreifen, ihren Alltag, mal mehr, mal weniger, zum Besseren zu wenden.

Auch Starbuck taucht seine Filmwelt in teilweise quietschbunte Farben und orientiert sich narrativ an Märchenstrukturen, verliert aber im Gegensatz zu Jeunets Amélie nicht völlig die Bodenhaftung: Die Probleme, mit denen Regisseur Ken Scott seine Protagonisten konfrontiert, sind fest in der Realität verankert und konterkarieren die alberne Grundstimmung. Die Frage, wie und ob man sich jemals bereit für Nachwuchs fühlen kann, verfolgt der Film hingegen mit angenehmer Gelassenheit. Mit gemütlichem Humor, der selten zum Schreien, aber oft zum Grinsen verleitet, sowie einem Gespür für Ausstattung und Atmosphäre kontrastiert Scott gekonnt Davids polnischstämmige Metzgerfamilie mit den jugendlichen Spender- Kindern. Daß Starbuck am Ende doch noch ins Zuckersüße, Formelhafte abrutscht, verzeiht man dieser kanadischen Amélie mit Bierwampe ohne weiteres. 2012-08-13 11:08

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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