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Jeff, der noch zu Hause lebt

Jeff, Who Lives at Home. USA 2012. R,B: Jay Duplass, Mark Duplass. K: Jas Shelton. S: Jay Deuby. M: Michael Andrews. P: Indian Paintbrush, Jeff Brothers Productions, Mr. Mudd, Right of Way Films. D: Jason Segel, Ed Helms, Susan Sarandon, Judy Greer, Rae Dawn Chong, Steve Zissis, Evan Ross, Benjamin Brant Bickham u.a.
83 Min. Paramount ab 9.8.12

Kleine, nette Geschichten

Von Nicole Ribbecke Die Dramödie hat sich längst in unsere sentimentalen Kinoherzen gespielt. All die niedlichen Filmchen mit ihren sympathischen Verlierertypen, die uns von einer Welt erzählen, in der das Lebensglück nicht vom materiellen Erfolg und damit einhergehender gesellschaftlicher Anerkennung abhängig ist, sondern alternative Sichtweisen, leise Glücksmomente, vor allem aber auch Rückschläge samt folgender Hoffnungsschimmer die eigentlichen Triebfedern eines gelungenen Seins und Miteinanders sind. Die kleinen Dinge des Lebens und so weiter…

Keine Frage, dieses Zwittergenre hat schon so manche Filmperle hervorgebracht, das meiste erinnert dann aber doch an zuvor Gesehenes ohne neue Ideen.

Leider springen die Duplass-Brüder mit Jeff, der noch zu Hause lebt genau auf diesen endlosen Zug zwar charmanter, aber letztendlich doch vielleicht etwas zu zurückhaltender, um nicht zu sagen mutloser Dramaturgie auf. Das ist schade, denn bisher hat das Gespann durchaus frische Independent-Produktionen vorzuweisen. Diese beschäftigten sich zwar ebenfalls mit familiären und romantischen Wechselverhältnissen, doch sah bei den Brüdern immer alles etwas anders aus. Die ungewöhnliche Handkamera mit der Hobbyfilmanmutung funktionierte wunderbar bei Cyrus und dessen kruder Komik, wie auch bei dem Horrorfilm Baghead, der eben kein Horrorfilm und gerade deswegen gut ist.

Jas Shelton führt seine Kamera nun doch etwas konventioneller, der manchmal etwas derbe Duplass-Humor wirkt gewöhnlicher und am Ende hinterläßt das Gesehene einfach weniger das Gefühl von Besonderheit. Das brüderliche Gespann geht nun eben routinierter ans Werk, ist dies ja auch bereits der zweite ihrer Filme, der nicht mit Laiendarstellern, sondern etablierten Leinwandschauspielern besetzt ist: Jason Segel steht die Rolle des liebenswerten Antihelden bestens, Judy Greer ist ganz putzig und Susan Sarandon souverän, aber dabei angenehm unaufdringlich. Ed Helms scheint Szenen aus Hangover nachzuspielen und bekommt wieder auf harmlos schadenfrohe Tour ein paar Kratzer ab. Man freut sich definitiv, Rae Dawn Chong wiederzusehen. Ein mit Liebe ausgewähltes, auch überzeugendes Ensemble, das uns durch nette kleine Geschichten über Einsamkeit, Eifersucht und Eingebung bis hin zu einem überemotionalisierten Finale führt. Das kann man gesehen haben, muß man aber nicht. 2012-08-08 10:43
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