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Lady Vegas

Lay the Favorite. GB/USA 2012. R: Stephen Frears. B: Beth Raymer, D.V. DeVincentis. K: Michael McDonough. S: Mick Audsley. M: James Seymour Brett. P: Emmett/Furla Films, Random House Films, Likely Story, Ruby Films. D: Bruce Willis, Vince Vaughn, Catherine Zeta-Jones, Joshua Jackson, Rebecca Hall, Laura Prepon, Joel Murray, Frank Grillo u.a.
96 Min. Wild Bunch ab 19.7.12

War was?

Von Daniel Bickermann Stephen Frears ist nun schon seit Jahrzehnten als Chamäleon der Filmindustrie unterwegs. Ihm gelingen getragene Adelsdramen wie Die Queen oder Gefährliche Liebschaften ebenso wie hippe Kultkomödien wie High Fidelity oder The Van. Die einzigen beiden roten Fäden, die sich durch sein so vielseitiges Werk ziehen, sind eine Vorliebe für literarische Vorlagen (oder sogar Sachbücher) und ein Händchen für Schauspieler, die unter Frears regelmäßig preis- und prestigeträchtige Auftritte abliefern.

Unter solchen Gesichtspunkten hätte es nicht überraschen sollen, daß sich der Brite der Adaption von Beth Raymers autobiographischem Zockerbuch »Lay The Favorite« annahm und die Verfilmung dank Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones und Vince Vaughn bis in die Nebenrollen prominent besetzen konnte. Was überrascht, ist, wie mißlungen das Endresultat ist.

Die Fehlersuche muß bei der Geschichte beginnen. Denn leider ist Frears als reiner Regisseur stark von der wechselhaften Qualität der ihm vorliegenden Drehbücher angewiesen. Und Drehbuchautor D.V. DeVincentis, der für Frears schon seinen größten Erfolg High Fidelity schrieb und nicht gerade dafür bekannt ist, sklavisch an einer werktreuen Adaption festzuhalten, hat es bei seinem ersten Drehbuch seit über 10 Jahren verpaßt, den dahinplätschernden Zockeranekdoten auch nur den Hauch eines Spannungsbogens zu geben. Ein lebensnahes Wechselspiel der Verbindungen und Gefühle mag ja reizvoll erscheinen, führt aber leider nirgendwohin. Die klimaktische Prüfung für die Hauptfigur besteht am Ende darin, als angehende illegale Buchmacherin einen Spieler, der bei ihr Schulden hat, am Telefon zum Zahlen zu überreden und so rabiat einzuschüchtern, daß er sich ja nicht an die Polizei wendet. Nach dieser heroischen Tat dürfen endlich alle feiern und das gewonnene Geld gleich weiterverwetten.

Daß auch Regisseur Frears nicht so recht zu wissen schien, wohin er mit Lady Vegas in Sachen Aussage und Tonalität eigentlich hinwollte, sorgt für die größte Frustration in einer ansonsten langweiligen Kinositzung. Mal wirkt der Film wie ein multiperspektivisch aufgefächtertes Dokudrama, das uns die Glücksspielszene in Vegas, New York und in der Karibik erklären soll, inklusive Enthüllungsjournalist und Rechtsbelehrung. Dann wieder will das Werk eine inspirierende Fabel à la Erin Brockovich sein, von einer Südstaaten-Stripperin, die sich gegen alle Wahrscheinlichkeit zum Zahlen-Genie und zur Selfmade-Zockerin in der großen weiten Welt durchbeißt. Dazu gibt es abwechselnd eher oberflächlichen Humor und eher oberflächliche Dramatik, während die Schauspieler sich zum größten Teil so gebären als spielten sie in einer flotten Das-ganze-Leben-ist-ein-Spiel-Klamotte. Das immerhin ist amüsant anzusehen, wenn Catherine Zeta-Jones endlich mal wieder ordentlich auf- und Vince Vaughn herrlich abdreht. Aber der Rest des Films muß leider als seltener Komplettausfall in Frears' ansonsten beeindruckender Filmographie eingehen. 2012-07-18 12:36
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