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Guilty of Romance

Koi no tsumi. J 2011. R,B: Shion Sono. K: Sohei Tanikawa. S: Junichi Ito. M: Yasuhiro Morinaga. P: Django Film, Nikkatsu. D: Miki Mizuno, Makoto Togashi, Megumi Kagurazaka, Kazuya Kojima, Satoshi Nikaido, Ryûju Kobayashi, Shingo Gotsuj, Motoki Fukami u.a.
144 Min. Rapid Eye Movies ab 19.7.12

Blut und Schmutz in Überlänge

Von Tim Lindemann Der japanische Regisseur Shion Sono macht es seinen Zuschauern mit seinem neueren Output wahrlich nicht leicht. Nachdem er mit seinem Debüt Bycicle Sighs in seiner Heimat zum Star wurde und sich mit abgefahrenem J-Horror wie Exte: Hair Extensions auch in Europa einen Namen machte, begann mit dem hochgelobten Love Exposure die Trendwende zu seiner aktuellen »Trilogie des Hass«: Drei Filme mit einer Lauflänge zwischen zweieinhalb und vier Stunden, die mit einer verstörenden Mischung aus explizitem Sex, extremer Gewalt aber auch visueller Poesie angereichert sind. Guilty of Romance, der finale Teil dieser Reihe, steht seinen Vorgängern in dieser Hinsicht in nichts nach.

Stilistisch vergleichbar ist Guilty of Romance etwa mit den blutigen Racheträumen Park Chan Wooks, allerdings mit deutlich mehr Sexappeal und Humor, oder den bizarr-komischen Grotesken des Griechen Giorgos Lanthimos – an letzteren erinnert vor allem Sonos bravourös unheimliche Inszenierung einer klinisch reinen, hellen Alltagswelt, die hier aber mit den düsteren, kraftvollen Farben einer verruchten Unterwelt kontrastiert wird. Inhaltlich wie immer hoch komplex verwebt der Regisseur die Geschichten von drei unterschiedlichen Frauen, eine grausame Mordserie sowie religiöse und sexuelle Motive miteinander. Heraus kommt dabei ein ebenso drastisches wie faszinierendes Kaleidoskop, das sich nur selten mit unnötiger Subtilität aufhält. Gleichzeitig fehlt es Guilty of Romance allerdings an der unerbittlichen, grausigen Wucht seines Vorgängers Cold Fish, vermag dafür aber eine geradezu hypnotische, alptraumhafte Stimmung zu kreieren, die zwischen den drei durchaus verschiedenen Filmen eine Brücke schlägt. So beweist sich Shion Sono mit Guilty of Romance als potentieller Auteur mit Gespür für Genre und Atmosphäre sowie einer zwar überbordenden, aber dennoch deutlichen Handschrift. Seine radikalen Epen mögen auf manche abstoßend und überladen wirken, für andere ist hier ein neuer Kultregisseur am Werk. 2012-07-17 13:35

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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