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Bis zum Horizont, dann links!

D 2012. R,B: Bernd Böhlich. K: Florian Foest. S: Esther Weinert. M: Andreas Hoge. P: Mafilm, Mücke Frehse Filmproduktion. D: Otto Sander, Angelica Domröse, Ralf Wolter, Marion van de Kamp, Us Conradi, Monika Lennartz, Herbert Feuerstein, Anna Maria Mühe u.a.
93 Min. Neue Visionen ab 12.7.12

Der letzte Ausflug

Von Jens Mayer »Am Ende geht alles in eine Reisetasche« seufzt Margarete Simon (Angelica Domröse) bei ihrer Ankunft im karg eingerichteten Zimmer des Seniorenheims »Abendstern«. Ihr ist vollkommen klar: Das hier wird die Endstation ihres Lebens sein. Noch ein Blick des Sohnes, der mit seiner Familie in die USA zieht, dann ist sie allein in dieser unfreiwilligen Gemeinschaft, mit ihren kauzigen und sonderbaren Charakteren. Doch für ihr letztes Abenteuer wird sie kein Gepäck benötigen.

Regisseur Bernd Böhlich inszeniert den Auftakt von Bis zum Horizont, dann links! glaubwürdig und gekonnt. Mit dem zu erwartenden Witz, der sich durch die Heimbewohner und ihre Eigenarten entwickelt und der notwendigen Schwermut, um den Antrieb für die Geschichte zu unterstreichen, in deren Verlauf der grantige Eckehardt Tiedgen (Otto Sander) beim Rundflug eine alte Propellermaschine in seine Gewalt bringt, um die Piloten samt Heiminsassen und Pflegerin zu einem Ausflug ans Mittelmeer zu zwingen. So erweist sich das erste Drittel des Films als stark, besonders durch die Leistung der ehrwürdigen und charismatischen Darsteller wie Ralf Wolter, Herbert Feuerstein und – allen voran – Otto Sander. Leider stürzt Bis zum Horizont, dann links! ausgerechnet dann ab, wenn die Geschichte eigentlich abheben müßte. Ist die Maschine erst einmal in der Luft und gekidnapped, verliert sich die Handlung in Belanglosig- und Schluderigkeiten. Die Entwicklung der Charaktere bleibt auf der Strecke, stattdessen wird mit einer unnötigen Zwischenstation und vielen unmotivierten und unausgegorenen Szenen Zeit vertrödelt. Dafür wird bei einer Notlandung am Ende ein klassischer dramaturgischer Höhepunkt einfach vertendelt. Statt die Geschichte – bei aller Komik – wirklich ernstzunehmen oder das Thema »Altern« zu reflektieren, steht die halbherzige Romanze zwischen Pflegerin Amelie (Anna-Maria Mühe) und Pilotensohn Mittwoch (Robert Stadlober) für zu viele Kompromisse, die hier gemacht wurden. Es bleibt ein solider Fernsehfilm, der selten über das Prädikat »nette Unterhaltung für die schmunzelnde Traumschiff- Fraktion« hinausgeht. 2012-07-09 14:44

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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