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Woody Allen: A Documentary

USA 2011. R,B,S: Robert B. Weide. K: Buddy Squires, Bill Sheehy, Anthony Savini, Neve Cunningham, Nancy Schreiber. S: Karoliina Tuovinen. M: Paul Cantelon. P: Whyaduck Productions, Rat Entertainment, Mike’s Movies, Insurgent Media.
117 Min. NFP ab 5.7.12

Schnelldurchlauf

Von Daniel Bickermann Ein Woody-Portrait ist eine ehrenvolle und nicht selten erschöpfende Aufgabe. Von endlosen Biographien, Interview- und Interpretationsbüchern bis zu Barbara Kopple’s irrlichternder Musik-Doku Wild Man Blues – viel wurde über den behornbrillten Meister geschrieben und gefilmt, und doch wird niemand seinen derzeit 47 Filmen, seinen Auftritten als Musiker, Autor, Komiker, Jude, Ehemann und Liebhaber wirklich gerecht.

Robert B. Weide, Produzent und Regisseur von Dokus über die Marx Brothers, Lenny Bruce und Kurt Vonnegut würde man neue Einsichten über Woody zutrauen. Und anfangs ist man beeindruckt von Weides Begeisterung: Die typische Allen-Titelschrift blinkt über Eindrücken von New York zu Jazzmusik. Bei der Beschreibung von Allens Kindheit überrascht der Film mit einem erstaunlich offenherzigen Protagonisten und direktem Zugang zu Familiendokumenten und Fotos. Woody Allen als Halbstarker – unbezahlbar. Und auch das Bild von Woody, dem Glücksraben, ist neu, vom hochbegabten Teenager, der Zeitungskolumnen verkauft, dann Sketche schreibt, dann gleich Broadway-Hits landet, kurz: dem noch nie etwas mißglückt ist.

Doch gerade als der Film seine Thesenfrage stellt (Welchen Woody wollen wir eigentlich untersuchen, es gibt so viele?) verheddert er sich genau in diesem Dilemma. Sobald die Filmkarriere des Protagonisten startet, entwickelt sich das Portrait zu einem langen DVD-Extra, das sich von Film zu Film hangelt und den Menschen Allen Königsberg erst vernachlässigt und schließlich völlig vergißt. Stattdessen herrscht Außensicht: Ein Produzent will interpretieren, warum das Meisterwerk Stardust Memories gefloppt ist; ein Journalist liest Zeitungsausschnitte der Soon-Yi-Affäre vor; ein katholischer Priester (!) stellt Spekulationen über Allens Lebensphilosophie an. Was war nochmal die Frage?

Wild Man Blues bot zumindest kurze Einblicke auf einen überraschend sarkastischen Privatmann. Weides Film will umfassender sein, startet präzise und endet in einem Schnelldurchlauf aus Zeitungsnotizen und Einspielergebnissen. Das Phänomen Woody Allen, es bleibt ungreifbar. 2012-07-04 12:48

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #67.
© 2012, Schnitt Online

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